Dezember

Das Jahr ward alt. Hat dünnes Haar.
Ist gar nicht sehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.

Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.
Ruht beides unterm Schnee.
Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.

Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt. Und nichts vergeht.
Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
Nützt nichts, dass man’s versteht.

Und wieder stapft der Nikolaus
durch jeden Kindertraum.
Und wieder blüht in jedem Haus
der goldengrüne Baum.

Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
wie hold Christbäume blühn.
Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
und glaubst nicht mehr an ihn.

Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und spricht:
„Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht.“

Erich Kästner (1899-1974),
Schriftsteller

Von 1919 bis 1924 Studium der Geschichte, Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig. Endlich folgt die Promotion am 5. Juli 1925 zum Dr. phil. bei dem Goethe-Spezialisten und Historiographen der Leipziger Literaturgeschichte Georg Wittkowski, zum Thema „Die Erwiderung auf Friedrichs des Großen Schrift „De la littérature allemande.“

“Sehr bald konnte ich mir für das monatliche Stipendium knapp eine Schachtel Zigaretten kaufen. Ich wurde Werkstudent, das heißt, ich arbeitete in einem Büro, bekam als Lohn am Ende der Woche eine ganze Aktenmappe voll Geld und mußte rennen, wenn ich mir dafür was zu essen kaufen wollte. An der Straßenecke war mein Geld schon weniger wert als eben noch an der Kasse. Es gab Milliarden – ja sogar Billionenscheine…. Das war 1923. Studiert wurde nachts.”

Aus: Erich Kästner, Die chinesische Mauer in: Der tägliche Kram

Aus dem Universitätsarchiv Leipzig

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Copiale des großen Fürstenkollegs

Papierhandschrift Folio, in grünes Pergament gebunden. Von alten Händen gezählt Bl. 1-60, S. 61-144, Bl. 145-209.
Am Anfang und am Ende je drei ungezählte Bll. Auf den ersten ungezählten Bl. von einer Hand des 18. Jahrhunderts “Copiale des großen Fürstenkollegs”. Sprache: Latein und Deutsch.

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