///Jahresbericht 2003

Jahresbericht 2003

Technische Ausstattung

Neu angeschafft wurden 2 Filmlesegeräte mit Motorschlitten und 2 PC sowie 1 WLAN für die Benutzerrecherche im Lesesaal.

Das Kopiergerät fiel durch Defekt vollständig aus und konnte im Jahr 2003 nicht ersetzt werden. Dadurch entstand ein Kopienstau, es ergaben sich lange Benutzungszeiten und es musste schlechtere Kopienqualität in Kauf genommen werden. Bei wertvollen Archivalien musste völlige Kopiersperre verhängt werden.

Räumlichkeiten

Am 17. 3. 2003 ergab eine gemeinsame Begehung mit dem Vermieter und dem universitären Liegenschaftsamt erhebliche Mängel im Archivgebäude.

Die Mehrzahl dieser Mängel ist im Lauf des Jahres 2003 nicht behoben worden.

Die Inneneinrichtung wurde durch eine Mobiliarübernahme ergänzt. Von der Dresdner Bank bekam das Archiv eine komplette Büroausstattung für 6 Mitarbeiter geschenkt (Stühle, Tische, Schränke, Konferenztisch), außerdem 1 Regalanlage für Bücher und 2 Fahrregalanlagen.

Übernahme und Erschließung

Zwei Nachlässe, Debes und Müller, konnten als Geschenk übernommen werden.

Mit Unterstützung durch den Förderverein der Universität Leipzig konnte ein Fotoalbum mit 99 Leipziger Professoren-Fotos (um 1873) erworben werden. Bei dem von einem Berliner Antiquariat angebotenen Fotoalbum handelte es sich um ein in Privathand befindliches einmaliges Zeitdokument zur Universitätsgeschichte Leipzigs. Es ist in einem hervorragenden Zustand. Im Inneren befinden sich 99, jeweils mit einem Autogramm versehene Fotos von Leipziger Professoren; hinzu kommen noch 5 Aufnahmen, die den Statistiker und Volkswirtschaftler Georg Friedrich Knapp (1842-1926) in unterschiedlichen Lebensphasen abbilden. Der mit dem Antiquariat vereinbarte Kaufpreis ist als überaus günstig einzuschätzen. Bei dieser relativ geschlossenen und tadellos erhaltenen Sammlung handelt es sich um eine besonderes Prunkstück für die Geschichte der Universität, dessen wissenschaftlicher und künstlerischer Wert den Ankauf als unbedingt erforderlich erscheinen ließ.

Öffentlichkeitsarbeit – Führungen und Vorträge

Im Jahr 2003 fanden 6 Archivführungen statt für Archivare sowie Studentengruppen verschiedener Fachrichtungen.

Tagungen

Vom 18. bis 20. März fand in Leipzig die Frühjahrstagung der Fachgruppe 8: Archivare an Hochschularchiven und Archiven wissenschaftlicher Institutionen statt.

Rund 60 Kolleginnen und Kollegen hatten sich an der Universität Leipzig zur Tagung eingefunden, die dem Schwerpunktthema „Archivalische Überlieferung zu Universitäts- und Akademie-Jubiläen“ gewidmet war. Nach der Eröffnung durch den Direktor des Universitätsarchivs Leipzig Prof. Dr. Gerald Wiemers verwies der Rektor Prof. Dr. Volker Bigl bei der Begrüßung auf das in wenigen Jahren bevorstehende 600-jährige Leipziger Universitätsjubiläum 2009. Die Leiterin des Städtischen Kulturamts Susanne Kucharski-Huniat betonte die enge Verbindung zwischen Universität und Stadt, vermittelte einen Streifzug durch die Leipziger Stadt- und Universitätsgeschichte und würdigte die Bedeutung der Archive für das kulturelle Leben. Grußworte sprachen der VdA-Vorsitzende Prof. Dr. Volker Wahl und der Fachgruppen-Vorsitzende Dr. Dieter Speck (Universitätsarchiv Freiburg).

Im facettenreichen Eröffnungsvortrag bot Prof. Dr. Winfried Müller (TU Dresden) „einen Gang durch die Jahrhunderte vom Universitätsjubiläum zur Universitätsgeschichte“.

Basierend auf umfangreichen statistischen Recherchen in den jeweiligen Immatrikulations-, Studenten- und Prüfungsakten berichtete der Professor für Sozialgeschichte an der Handelswissenschaftlichen Fakultät der Kwansei Gakuin University (Japan) Dr. Akira Hayashima über „Die Absolventen der deutschen Handelshochschulen im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts.

Prof. Dr. Günther Wartenberg (Universität Leipzig) beleuchtete das Leipziger Universitätsjubiläum 1959, das unter der Dominanz der Politik stand und als Jubiläum ohne Geschichte bezeichnet werden kann.

Die verschiedenen „Jubiläen der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg 1502 – 2002“ stellte Prof. Dr. Herrmann-Josef Rupieper (Universität Halle-Wittenberg) vor. Allein durch die 1817 erfolgte Fusion der 1502 gegründeten Universität Halle und der 1694 eröffneten Universität Halle ergeben sich reizvolle Festzyklen und ein Vergleich über Universitätsjubiläen in Diktaturen.

Die Direktorin des Archivs der polnischen Akademie der Wissenschaften und Vorsitzende der polnischen Universitätsarchive Dr. Hanna Krajewska (Warschau) bilanzierte das 1964 gefeierte 600-jährige Jubiläum der 1364 gegründeten Universität Krakau, die lange von politischen Prämissen und dem Verschweigen der deutschen Vergangenheit gekennzeichneten Feiern in Breslau und den 50. Geburtstag der Polnischen Akademie der Wissenschaften.

„Die archivalischen Quellen zu den Moskauer Universitätsjubiläen“ erläuterte Dr. Andrej Andrejev, Moskau.

Dr. Jindrich Schwippel (Universitätsarchiv Prag) skizzierte die archivalische Überlieferung zur Geschichte der Karls-Universität und stellte die Bestände im Universitätsarchiv (unter anderem Studentenakten), im Archiv der 1952 gegründeten tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften (rund 300 Nachlässe), im Archiv des Nationalmuseums und im Stadtarchiv vor und unterstrich die Bedeutung der für den Umbruch 1968 unverzichtbaren Objektakten des Innenministeriums und des Archivs des ZK der KPC.

Dr. Vera Enke (Akademiearchiv Berlin) porträtierte die Tektonik und Archivbestände ihrer Institution sowie die bisher aus Kolloquien hervorgegangenen Publikationen zum im Jahr 2000 begangenen 300.Akademiejubiläum der Berlin-Brandenburgischen Wissenschaften. Außerdem blickte sie auf die Akademiejubiläen 1900, 1950 und 1975 zurück und erläuterte, wie das Archiv das Jubiläum 2000 begleitet hat.

Über „Matrikeleditionen als Beiträge zu Universitätsjubiläen“ und das aktuelle Projekt der „Fortsetzung der Leipziger Matrikeledition 1809 – 1909“ referierte Bert Liebau (Universitätsarchiv Leipzig) und illustrierte beispielhaft den Wandel der Matrikelbücher und ihren hohen Quellenwert ebenso wie die verschiedenen Editionsgrundsätze.

Eine Publikation aller Vorträge der Frühjahrstagung ist vorgesehen.

Im Umfeld der Tagung bot sich auch Gelegenheit zur Besichtigung des Universitätsarchivs, der Universitätsbibliothek und der Kustodie. Ebenso wenig durfte ein Besuch in „Auerbachs Keller“ und des Kabaretts „academixer“ fehlen. Im Namen aller Teilnehmenden dankte der Fachgruppen-Vorsitzende Dr. Dieter Speck Prof. Dr. Wiemers und seinem Team für die Organisation der Frühjahrstagung und Prof. Dr. Wiemers für sein langjähriges Engagement als Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender der Fachgruppe. Den Dank der ausländischen Gäste für Kollegialität und Gastfreundschaft übermittelte Dr. Jindrich Schwippel. Die nächste Frühjahrstagung der Fachgruppe wird im März 2004 in Frankfurt / Main stattfinden.

Ausstellungen

Deutsch-jüdische Naturwissenschaftler an der Universität Leipzig zwischen 1900 und 1945. Dezember 2003 Eröffnung im Simon-Dubnow-Institut, Leipzig. In den Fächern Physik, Mathematik und Chemie haben nach der Jahrhundertwende, nach dem 1.Weltkrieg, bis zum Jahre 1933, jüdische Naturwissenschaftler in einzigartiger Weise Maßstäbe gesetzt, revolutionäre Forschungsergebnisse erzielt und die zeitweilige Weltgeltung der Universität Leipzig mitbestimmt. Das Jahr 1933 bedeutete einen tiefen Einschnitt, ein menschlicher Verlust mit nicht wieder gut zu machenden Folgen trat ein. Eine aufstrebende, junge Generation von ausgewiesenen Wissenschaftlern musste Deutschland verlassen, hinterließ Lücken, die niemals wieder geschlossen werden konnten. Die führende Leipziger Stellung in der Welt der Naturwissenschaften war zu einer kurzen, vergangenen Episode geworden, ihre Protagonisten tot, in der Welt zerstreut oder vom Eisernen Vorhang getrennt.

Ausstellung „Von der Universität in den Gulag. Studenten mitteldeutscher Universitäten im sowjetischen Straflager Workuta 1945 bis 1995“ 22.Oktober bis 19.Nov. 2003 Hauptgebäude der Universität Halle/S. Die eindrucksvolle Schau spiegelt anhand von Fotos und Dokumenten die politische Situation unter den Studierenden an den mitteldeutschen Universitäten und Hochschulen von 1945 bis 1955 wider und stellt Studenten vor, die ihre politische Überzeugung mit langen Haftstrafen in Workuta oder mit dem Leben bezahlten.
Die Exposition ist ein gemeinsames Projekt der mitteldeutschen Universitäten und Hochschulen. Daran beteiligten sich die Technische Universität Dresden, die Bergakademie Freiberg, die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die Friedrich-Schiller-Universität Jena, die Universität Leipzig und die Hochschule Mittweida (FH).
Zur Eröffnungsveranstaltung am 21. 10. 2003 im Universitätsmuseum Halle begrüßte Dr. Ralf-Torsten Speler, Leiter der Zentralen Kustodie und des Universitätsarchivs, die Gäste. Prof. Dr. Wilfried Grecksch, Rektor der Universität Halle, eröffnete die Ausstellung. Anschließend gab Prof. Dr. Gerald Wiemers eine Einführung. Der Zeitzeuge Dr. Horst Hennig, Generalarzt a. D. sprach über Erinnerungen eines halleschen Studenten aus dem Straflager Workuta. Schließlich gab Jens Blecher, M. A. Erläuterungen zur Ausstellung. Im April/Mai 2004 wird die Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig gezeigt, anschließend in der Offiziersschule des Heeres in München.