O Du Fröhliche… Weihnachtskneipe des Universitätssängervereins St. Pauli

Der Universitätssängerverein zu St. Pauli gründete sich am 4. Juli 1822 als Chor mit zuerst 16 Mitgliedern. Ziel war die musikalische Umrahmung von Gottesdiensten in der Paulinerkirche. Ab 1840 singt der Universitätssängerverein bei Gewandhauskonzer mit, ab 1850er wird aus dem Verein eine Vereinigung mit Wappen, Zirkel, Bannerlied und Liederbuch, dem Vivat Paulus. 1875 wird der zahlenmäßig starke Sängerverein zu einer eigenständigen Korporation. Ihr Nachrichtenblatt war ab 1889 die Pauliner-Zeitung. Der “Verband Alter Pauliner” als Gesamtverband aller Ehemaligen wurde am 20. Dezember 1893 gegründet, der Wahlspruch lautete: “Ewig bleiben die Alten treu, bis das letzte Lied verhallt!”.

Ab 1900 sind die Pauliner-Farben der Trikolore hellblau-weiß-dunkelblaue,  ab 1903 führt man eigene Waffen, ab 1919 firmiert der Verein unter Universitätssängerschaft zu St. Pauli. Ab 1900 zählte St. Pauli um 1 300 Alte Herren und 200 bis 250 Aktive. Die Sängerschaft war eine der größten Korporationen im deutschsprachigen Raum.

Was ist eigentlich eine “Weihnachtskneipe”?

„Der Student, der durch sein ganzes Wesen sich von allen nicht studirenden Juenglingen unterscheidet, und oft sorgfältig zu unterscheiden sucht, hat auch eine Anzahl eigenthuemlicher Ausdruecke und Phrasen. Bey allen Studirenden aller Universitaeten findet sich ein mehr oder weniger wortreiches Idiotikon. VieleWoerter sind auf jeder Universitaet zu finden; viele hingegen sind nur auf Einer gebraeuchlich. Manche sind so ziemlich sinnlos, manche hingegen sehr naiv und ihrer Bedeutung angemessen. Kuerze und Derbheit sind das Gepraege der meisten. – Man muß selbst Student seyn, um Wohlgefallen daran zu finden. Sobald man der Burschenwelt entrueckt ist, fallen nach und nach die fremdartigen Woerter weg, so wie sich allmaehlig die Studenten = Manieren abschleifen.“ Göttinger Jurastudent Daniel Ludwig Wallis (1813)

Bereits seit 1781 bezeichnete der Schriftsteller und Theologe Christian Wilhelm Kindleben in seinem Studenten–Lexicon eine Bierschenke als Kneipe. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Wort in der studentischen Kneipe als verständliche Eindeutschung in der Studentensprache verwendet. Die Studentensprache wurde unter deutschsprachigen Studenten gesprochen. Sie war eine von zahlreichen lateinischen, französischen und latinisierten Wörtern durchsetzte Standessprache. Verbindungs-Studenten zechten und rauften gerne, an einigen Universitäten besonders.

Umfangreich ist der studentische Wortschatz zum Duellieren und Renommieren, zur Disziplin, zum Trinken, Lieben, Spielen und Schuldenmachen, ganz im Gegensatz zum Wortschatz des universitären Studierens. Auch heute noch sind etliche sehr schöne Wörter aus der Studentensprache in Gebrauch. Ob es nun der Knauser oder identische Knicker, der Kneipier oder die Kneipe ist,  alle diese Wörter stammen aus der Burschensprache, im “Studentikoses Idiotikon oder gemeine deutsche Burschensprache” findet der Interessierte einen Überblick.

 

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