Zug der Studenten auf die Wartburg 1817. Radierung eines unbekannten Künstlers aus dem 19. Jahrhundert

Wartburgfest der deutschen Burschenschaft am 18. Oktober 1817.

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Wartburgfest der deutschen Burschenschaft am 18. Oktober 1817, nationales deutsches Studentenfest in Erinnerung an die Reformation von 1517/19 und an den Sieg in der Völkerschlacht von Leipzig 1813.

„Gruß zuvor! Liebe Freunde! Da in diesem Jahr das Reformationsjubiläum gefeiert wird, so wünschen wir, gewiß mit allen braven Burschen, […] es auch in unsrer Art zu feiern. Um aber nicht in Collision zu kommen mit jenen übrigen Feierlichkeiten, welche durch uns leicht gestört werden könnten, und da auch das Siegesfest der Schlacht bei Leipzig in diese Zeit fällt, so sind wir darüber einig geworden, dieses Fest am 18ten Oct. 1817 und zwar auf der Wartburg zu feiern […] in drei schönen Beziehungen, nämlich der Reformation, des Sieges bei Leipzig, und der ersten freudigen und freundschaftlichen Zusammenkunft deutscher Burschen von den meisten vaterländischen Hochschulen am dritten großen Jubiläum der Reformation […] Zu diesem feierlichen Tage laden wir Euch demnach freundschaftlichst ein, und bitten Euch in großer Menge, als möglich, und falls dieß sich nicht machen sollte, doch gewiß durch einige Abgeordnete Theil zu nehmen […] Ueberhaupt aber ersuchen wir Euch, […] nichts zu unterlassen, was dieses Fest von vielen gefeiert und so aller Welt zum erfreulichen Beispiel machen kann.“

Robert Wesselhöft, Stud.jur., Mitgründer der Burschenschaft 1815 in Jena

 

 

Nach der Gründungsversammlung 1815 in Jena und auf dem Wartburgfest am 18.10.1817 – hier kam es zur reger Debatte  und zur Anbahnung der Gründung einer “Allgemeinen Deutschen Burschenschaft- wurden die Burschenschaften für illegal erklärt. Am 29. Mai 1818 hatte sich das Corps Thuringia in Leipzig aufgelöst, damit seine Mitglieder in die Burschenschaft eintreten können, die dann am 7. Juni 1818 in Leipzig mit 255 Mitgliedern gegründet wurde.
Die auf dem Wartburgfest 1817 debattierten  “Grundsätze und Beschlüsse des 18. Oktober” legten als Grundidee der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft fest, die “Liebe zu Volk und Vaterland und und volkstümlicher Sitte zu wecken und zu erhalten”. Zweck der Burschenschaft sei “die aufrechterhaltung und Stärkung vaterländischer Sitte und Kraft, geistig und leiblich, Aufrechterhaltung der Gerechtigkeit, Schutz der Ehre und Gleichheit der Ehrenrechte aller Burschen, so lange ihnen Wissenschaft, Recht, Sittlichkeit, vaterland und vornehmlich ihr Stand heilig sind.”

Im Dezember 1820 kam es zu einer strengen Untersuchung der Leipziger Burschenschaft und schließlich zu ihrem Verbot.
1832 wurde dieses Verbot erweitert. Alle politischen Vereine und Versammlungen, Fahnen und Abzeichen, Feste und Reden wurden verboten. 1837 wurde ein Prozess gegen den Führungskern der Leipziger Burschenschaft geführt. Allein18 Burschenschafter wurden zu Gefängnisstrafen zwischen 1 Jahr und 3 Jahren verurteilt. Prozess und Urteile erregten großes Aufsehen in der Öffentlichkeit. Es kam zur Revision der Urteile und zum Freispruch. Im Jahre 1839 bildeten Leipziger Studenten eine geheime burschenschaftliche Organisation, die sogenannte Progressbewegung, die von Robert Blum unterstützt wurde. Ein Ziel war die Reformierung des studentischen Lebens. Statt sich zu duellieren, verlangte man ernsthaftes Studieren und das Streben nach politischer Gleichberechtigung und Freiheit.