1. Februar 1953 | Der Universität soll der Name “Karl-Marx-Universität” verliehen werden

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Das Augusteum 1953 mit Bildern von Marx, Engels, Lenin und Stalin und der Inschrift: “Der Marxismus ist allmächtig, weil er wahr ist.” Universitätsarchiv Leipzig. UAL FS N03200

 

 

 

 

Karl-Marx-Universität – ein sozialistischer Leuchtturm?

Die erste Nachkriegsgeneration von Studenten nutzt bis Ende der 1940er Jahre noch vorhandene Spielräume. Der frei gewählte Studentenrat führt politische Diskussionen in großer Offenheit, die mit einer Verhaftungswelle abrupt enden.

Sowjetische Militärgerichte verhängen in der DDR Todesurteile, so 1950 gegen Herbert Belter, viele andere Leipziger Studenten verbüßen jahrelange Haftstrafen. Die FDJ setzt durch massiven politischen Druck innerhalb weniger Jahre die demokratische Studentenvertretung außer Kraft.

Plakat zum Universitätsjubiläum: Der sozialistische Wandel ist vollzogen, Karl Marx ist Pflichtlektüre für jeden Studenten.

Alle Hochschulgruppen von LDP und CDU werden aufgelöst, die Freie Deutsche Jugend will nun allein sämtliche studentische Belange vertreten. Mit ihrem zunehmenden Einfluss verschwinden alle Möglichkeiten zur freien Meinungsäußerung. Ab 1950 greifen politische Neuerungen in den Studienablauf eines jeden Studenten ein. An die Stelle der klassischen Semesterstruktur tritt das 10-Monate-Studienjahr. Das marxistisch-leninistische Grundlagenstudium wird zur Pflicht, dazu kommt obligatorischer Russisch- und Sportunterricht. Die Studenten sind in Seminargruppen zusammengefasst – propagiert wird gemeinsames Lernen. Kleine Gruppen ermöglichen bessere Kontrollen, jegliche ideologische Abweichung kann kontrolliert und geahndet werden. Studenten müssen sich zur Landesverteidigung verpflichten oder schriftlich versprechen, in den Semesterferien nicht nach Westdeutschland zu reisen.

Klassenkampf an Hochschulen

Andernfalls kann auch die FDJ-Leitung die Exmatrikulationvon missliebigen Studenten durchsetzen. In stundenlangen propagandistischen Versammlungen führen Funktionäre unter dem Schlagwort »Kritik und Selbstkritik« öffentliche Tribunale durch. Der kirchliche Einfluss an der Universität wird unterbunden. Der Rektor erlässt ein Verbot, Veranstaltungen der Studentengemeinde in öffentlichen Aushängen anzuzeigen. 1953 beginnt mit einer Verfolgungswelle gegen die Junge Gemeinde auch an der Universität ein neuer Kirchenkampf: Viele Mitglieder der Studentengemeinde erleiden Disziplinarverfahren und verlieren ihre Studienzulassung. Die antikirchlichen Kampagnen gipfeln in der Verhaftung des Studentenpfarrers Georg Siegfried Schmutzler im Jahr 1957. Seit 1950 ist Georg Mayer Rektor. Der Volkswirtschaftler bürgerlicher Herkunft vollzieht den Wandel der Universität zur sozialistischen Hochschule. In seiner Amtszeit findet 1953 die Umbenennung derAlma mater Lipsiensis in Karl-Marx-Universität statt, ein demonstratives Bekenntnis zum Sozialismus und zur DDR.

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