Lebenswege – anstelle einer Nachbetrachtung

„Alma Mater Lipsiensis, das Studium an dir gestaltete sich als Herausforderung, der wir uns freiwillig gestellt haben. Keiner hat uns gezwungen, wir hätten zu jeder Zeit gehen können. Geblieben sind wir alle, mit Ausnahme einiger weniger. Häufig bemängelten wir studentenunfreundliche Regelungen, wir schimpften über schlechtes Mensaessen und fehlende Fahrstühle. Die Zeiten für Referate waren zu kurz und die Literaturlisten zu lang. „

romanschulz

Roman Schulz (Jahrgang 1960), Buchautor und Pressesprecher der Sächsischen Bildungsagentur, Immatrikulation 1981 an der Karl-Marx-Universität in Leipzig, schreibt:

„… immer bin ich etwas geworden ist, aber nie dass, was ich eigentlich wollte, beabsichtigt nach dem Abitur Medizin zu studieren.“ Wegen fehlender gesellschaftlicher Aktivitäten und vor allem schlechter Noten im Fach Russisch und Staatsbürgerkunde wird er dafür nicht zugelassen, was er in Buch und Gespräch mit dem Abstand von über 30 Jahren heiter, ja humorvoll erzählt – auch über das Angebot im Umlenkungsverfahren, Fachlehrer zu werden. „In meinem Kopf überschlugen sich die Gedanken… Bist du wach? Hast du wirklich richtig gehört? … Du kannst aus bekannten Gründen keine Patienten behandeln, aber als Lehrer wollen die dich auf Kinder loslassen?“

 

Die Sprengung der Paulinerkirche 1968, die feierliche Immatrikulation 1981, der Studienabschluss 1985, die Montagsdemonstrationen im Herbst 1989 und das Engagement im Paulinerverein bis hin zum Campusneubau bilden den Rahmen für Roman Schulz’ Leipziger Leben. Nachdem er im Umlenkungsverfahren an der altehrwürdigen Leipziger Universität immatrikuliert wird, entsteht eine Verbindung, die für Schulz bis in die Gegenwart von großer Bedeutung bleibt. Er erzählt über den Studienalltag in der DDR, kleinen und großen Stolpersteinen im täglichen Leben, aber auch von Träumen seiner Generation und den Nächten in Leipziger Studentenclubs. Der Autor begegnet Lotte Ulbricht, Lenin und dem Stalinpädagogen Mararenko. Bei Ernteeinsätzen, Ausgrabungspraktika und Reisen ins sozialistische Ausland werden Kommilitonen zu Freunden und Familie. Als leidenschaftlicher Verfechter des Wiederaufbaus der 1968 gesprengten Paulinerkirche, zeichnet er das Bild verschiedener Meinungen und Begebenheiten zur noch immer anhaltenden Diskussion um die Umgestaltung der Leipziger Universität anlässlich des 600jährigen Jubiläums. Er argumentiert, wie wichtig es ist die Vergangenheit nicht einfach aus unseren Köpfen zu verdrängen, sondern sie für die Gegenwart und die Zukunft der Universität Leipzig zu nutzen.

 

Zwischen Hörsaal 13 und Moritzbastei. Roman Schulz. Militzke Verlag 2010.

 

 

 

 

 

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