Das Leipziger Promotionsrecht zwischen 1409 und 1945 als konstitutives und prägendes Element der akademischen Selbstverwaltung

 

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Jens Blecher

Das Leipziger Promotionsrecht zwischen 1409 und 1945 als konstitutives und prägendes Element der akademischen Selbstverwaltung


Zu Beginn des 13. Jahrhunderts erwarben sich die frühen Universitäten Paris und Bologna ein ius promovendi, das sie durch eine internes Prüfungswesen und die öffentliche Titelführung von anderen Bildungseinrichtungen unterschied. Die später gegründeten deutschen Universitäten übernahmen dieses erkämpfte Recht und üben es als eines der wichtigsten akademischen Sonderrechte bis in die Gegenwart aus. Im 19. Jahrhundert wurden die mittelalterlichen Privilegien der Universitäten durch den staatlichen Verwaltungsapparat absorbiert. Als wichtigstes Sonderrecht der Universitäten blieb das Graduierungsrecht bestehen. Es dient nicht nur zur Selbstergänzung der Fakultäten, sondern ist heute eines der wesentlichen Elemente, mit dem die Universitäten ihre soziale Außenwahrnehmung erzielen. Am Beispiel der Reformen und Diskussionen, vor allem in der philosophischen Fakultät, wird die Entwicklung des Leipziger Promotionsrechtes bis zum Ende des Nationalsozialismus dargestellt. Herausragende Zäsuren sind dabei die Auswirkungen der Reformationen (Verlust des päpstlichen Schutzes und Aufsichtsrecht des Landesherrn), die Auflösung der konfessionellen Schranken im Promotionswesen am Ende des 18. Jahrhunderts, die Entwicklung der Fachstudien und der Ansehensverlust des Magistertitel, die Bemühungen demokratischer Professoren und Wissenschaftsreformer um liberale Normierung und Transparenz im Promotionswesen, die Rolle des Promotionswesen in der politischen Öffentlichkeit nach der Jahrhundertwende bzw. in der Weimarer Republik und schließlich die reichsweite Vereinheitlichung und der Einsatz des Promotionswesens als politisches Instrument im Dritten Reich.


At the beginning of the 13th century, the oldest universities of Paris and Bologna acquired ius promovendi, a procedure that differed from the internal examinations and publicly awarded degrees in used in other educational institutions. German universities appropriated this hard fought right and continue to employ it as one of their fundamental academic privileges up to the present. In the nineteenth century, most of the medieval privileges of the university were absorbed into state administration. Only the independent right to graduate students remained. This right not only served as a means to Self-government the faculty, but is also remains an important element with which the University achieves its social recognition. Using examples of discussions surrounding reforms, particularly focused on the Philosophical (Liberal Arts) Faculty, this work will present the evolution of graduation regulations up to the end of the National Socialist era. Important caesura along the way include the effects of the Reformation (including both the loss of papal protection and the right of supervision by rulers), the elimination of confessional requirements at the end of the eighteenth century, the development of specialized departments and the reduction in status of the Master’s Degree, the efforts of democratic professors and educational reformers to liberalize the nature of doctoral studies, the role of doctoral studies in the political sphere after the turn of the century, particularly during the Weimar Republic and finally the nation wide standardization and appropriation of doctoral graduation procedures as a political instrument during the Third Reich.

Inhaltsverzeichnis

Titelblatt, Gliederung (1-3)

  1. Einleitung (4-19)
  2. Erlangung, Ausformung und Entwicklung des akademischen Promotionsprivilegs (20-61)
  3. Das Leipziger Promotionsrecht nach 1409 bis um 1830 (62-137)
  4. Das Leipziger Promotionsrecht nach 1830 bis um 1920 (138-221)
  5. Promotionen als Teil der politischen Universität nach 1919 bis 1945 (222-343)
  6. Ausblick in die Gegenwart: Staatliches Recht und korporatives Promotionsrecht (344-354)
  7. Resümee (355-356)
  8. Quellen- und Literaturverzeichnis (357-381)
  9. Anhang (382-440)

 

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