Universitätsgründung 1409

“Papst Alexander V. erteilt in einer aus Pisa datierten Bulle die Genehmigung zur Errichtung der Universität Leipzig. Markgraf Friedrich der Streitbare überläßt der Universität zwei Kollegiengebäude, das Große Kolleg an der Ritterstrasse und das kleine Kolleg an der Petersstrasse.”

(Kleine Chronik der Universität Leipzig, Wilhelm Burgmüller)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Von Prag nach Leipzig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Sie hat nur rund 300 Worte, die Verfügung, die der böhmische König Wenzel IV. am 18. Januar 1409 erlässt, doch sie ist von ungeheurer Sprengkraft: Mit dem Kuttenberger Dekret kehrt er die bis dahin geltenden Stimmenverhältnisse in den Gremien der Prager Karls Universität glatt um. Seit der Gründung der Universität verfügen die so genannten Nationen der Böhmen, Bayern, Sachsen und Polen, die man auch als Landsmannschaften bezeichnen kann, jeweils über eine Stimme. Nun ordnet Wenzel an, dass die Böhmen drei Stimmen erhalten, während die anderen Nationes nur insgesamt eine Stimme bekommen.

Immatrikulationsliste für das Wintersemester 1409/10

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Doch damit nicht genug: Am 9. Mai werden dem Rektor der Universität, Magister Henning Boltenhagen, und dem Dekan der Philosophischen Fakultät, Magister Albert Bärentrapp, die Studentenverzeichnisse sowie Siegel und Schlüssel der Prager Universität abgenommen. Die nichtböhmischen Studenten und Hochschullehrer reagieren auf diesen Eklat mit dem Auszug aus Prag. Allerdings darf man sich dies nicht so vorstellen, wie es eine Postkarte aus dem Jahr 1909 illustriert: eine Heerschar von Studenten und Magistern, die sich gemeinsam auf den Weg nach Leipzig machen. Also zogen 1409 etwa 1000 deutsche Lehrkräfte und Studenten nach Leipzig in der Markgrafschaft Meissen, die Artistenfakultät  nahm den Lehrbetrieb auf. Die Stadt übereignete ein Gebäude in der Petersstraße übereignet. Noch 1409 wurde das „Studium generale“ durch Papst Alexander V. bestätigt.  Die Angehörigen der Universität gehörten nach ihrer Herkunft zu den vier verschiedenen Nationen: der Meißnischen, der Sächsischen, der Bayrischen und der Polnischen. Die Landesherren, Friedrich der Streitbare und Wilhelm der Reiche, bewilligten der Universität anfangs einen Jahresetat von 500 Gulden. Je Universitätsnation wurden fünf Magister finanziert.

 

Umzug der deutschen Studenten nach Leipzig, dargestellt auf einer Postkarte von 1909.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein solcher Tross von Menschen hätte unterwegs vermutlich kaum Aufnahme in Klöstern gefunden, auf deren Gastfreundschaft die Wanderer aber angewiesen sind. Wahrscheinlicher ist, dass sich die Lehrer und ihre Schüler in kleineren Grüppchen nach Leipzig begeben.

Genehmigung vom Papst

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Bis es zur tatsächlichen Gründung der Leipziger Universität kommt, vergeht erstaunlich wenig Zeit. Schon im September 1409 erteilt Papst Alexander V. die Genehmigung zur Errichtung der Alma Mater Lipsiensis und Markgraf Friedrich  überlässt der neuen Hochschule die ersten zwei Gebäude, in denen in der Ritterstrasse das Große Kolleg und in der Petersstrasse das Kleine Kolleg untergebracht werden sollten. Am 2. Dezember 1409 wurde Johannes Otto von Münsterberg zum Rektor gewählt und die Universitätssatzung verlesen. Die feierliche Eröffnung fand im Refektorium des Thomasklosters statt, in einem Raum, der noch mehr als 100 Jahre als Aula dienen wird.

 

Diese päpstliche Bulle wurde von Papst Alexander V. am 19. Dezember 1409 in Pistoja ausgestellt und kam wohl als erstes Schriftstück in das Leipziger Rektorarchiv. Der Merseburger Bischof sollte die Magister, Doktoren und Scholaren der Universität, ihre Rechte, Einkünfte und Güter schützen und Schuldige bestrafen.

 

Die Genehmigung vom Papst zur Universitätsgründung erfolgte am 9. September 1409. Die Gründung der Universität fand am 2. Dezember 1409 mit der feierlichen Eröffnung der Universität Leipzig und der Übergabe der Gründungsurkunde von Friedrich IV. an den ersten Rektor Johann von Münsterberg im Thomaskloster statt.
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Der erste Rektor der Universität Leipzig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Johannes von Münsterberg wird zum ersten Rektor der Leipziger Universität gewählt. “Zu Ehre Gottes des Allmächtigen, der ruhmreichen Jungfrau Maria und des ganzen himmlischen Heeres wie auch zum Besten der heiligen Mutter Kirche” heißt es in der landesherrschaftlichen Gründungsurkunde, “wünschen wir, Friedrich der Ältere und Wilhelm, leibliche Brüder, durch Gottes Gunst und Milde Landgrafen von Thüringen, Markgrafen von Meißen und Pfalzgrafen von Sachsen, zu fruchtbaren Fortkommen der Leipziger Universität… dass künftig an dieser Universität vier Nationen, nämlich Meißner, Sachsen, Bayern und Polen, bestehen sollen…”.

 

Madonna mit Kind auf dem “Kleinen Universitätssiegel” des Rektors

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1415 wurde die medizinische Fakultät gegründet, die älteste an der Universität. 1446 folgte die Gründung der juristischen Fakultät. 1543 kam es durch Übernahme des ehemaligen Dominikanerklosters mit der Klosterkirche St. Pauli zu einer starken Erweiterung der Universität. 1545 wurde die Paulinerkirche durch Martin Luther zur Universitätskirche geweiht.

 

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Universitätssiegel mit Heiligem Laurentius und Johannes dem Täufer auf Konsolen unter gotischem Baldachin.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In den Kollegien, der Universität oder Stiftungen gehörenden Häusern, fanden die Lektionen, Disputationen und andere wissenschaftliche Veranstaltungen statt und hatten die Magister ihre Wohnungen. Diese Häuser waren von Erhebungen, Steuern und Lasten sowie auch von der Gerichtsbarkeit des Rates der Stadt befreit. Bereits 1409 schenkten die Landesfürsten der Universität zwei Häuser, die deshalb Fürstenkolleg genannt wurden: das Große Fürstenkolleg im Grundstückskomplex zwischen Ritterstraße und Stadtmauer (der heutigen Goethestraße) und das Kleine Fürstenkolleg in der Schloßgasse, das aber schon 1441 in die Ritterstraße umzog. Da die Kollegien für die Anforderungen des Lehrbetriebs nicht ausreichten, wurden von Magistern auch Häuser erworben oder angemietet, in denen sie wohnten und Vorlesungen hielten sowie auch Bursen für ihre Studenten einrichteten.

 

Stammbaum des sächsischen Königshauses mit der Erwähnung der Universitätsgründung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1416 kam als private Stiftung das sogenannte Frauenkolleg hinzu. Hier studierten nicht etwa Frauen, sondern es erhielt seinen Namen nach einer nahegelegenen Marienkapelle (Unserer Lieben Frau) und hieß eigentlich „Collegium Beatae Mariae Virginis“. Es befand sich auf der südlichen Seite am Ostende des Brühl und wurde erst in den 1850er Jahren für den Bau der Georgenhalle abgerissen.

 

Rektorsiegel zur Beglaubigung von Urkunden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Ein weiteres Kolleg war das dem Frauenkolleg am Brühl gegenüberliegende Bernhardinerkolleg, das als Stiftung des Zisterzienserordens entstand, nur Studenten dieses Ordens vorbehalten war und deshalb zur Reformation verschwand. 1543/44 erhielt die Universität die Gebäude des säkularisierten Dominikanerklosters St. Pauli, welche dann Pauliner Kolleg genannt wurden.

 


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