Selbstmorde der Studirenden | Verwaltungsakte


Dem eigenen Leben ein Ende gesetzt

Verwaltungsnotizen im Universitätsarchiv Leipzig, es scheint interessantere Akten zu geben. Doch ein Blick in die Papiere kann Schicksale offen legen.

Im Universitätsarchiv Leipzig liegt die Akte “Selbstmorde der Studirenden”, die zwischen 1882 und 1915 die Selbstmorde der Studenten dokumentiert. Gesammelt sind in ihr die polizeilichen Protokolle und Unterlagen. Auch Abschriften der Trauerbekundungen an die Familien der Verstorbenen und Bekanntmachungen des Beerdigungstermins sind in der Akte zu den einzelnen Fällen enthalten. In den Protokollen sind der vermutete Tathergang, Auffindeort und medizinische Anmerkungen aufgezeichnet. Von Erschießen mit einem Revolver und “Vergiftung mit Cyankali” ist da zu lesen. Über mögliche Beweggründe zur Selbsttötungen haben die Ermittler ebenfalls Notizen gemacht: “Furcht vor Examen” zum Beispiel, oder “große Schulden”. Die Akte reicht bis in die ersten beiden Weltkriegsjahre 1914 und 1915. Fragen bleiben, wenn die Akte wieder zugeschlagen vor einem liegen. Wie schlimm litten die Studenten, die sich umbrachten? Wählten manche von ihnen den Tod aus Angst vor dem Krieg? Welche Gedanken gingen durch die Menschen, die einen Kommilitonen verloren hatten? Was ist das für ein Schock, die Todesmitteilung zu öffnen und zu erfahren, die eigene Tochter, der eigene Sohn sind nicht mehr? Darüber gibt die Akte keine Auskunft.

Paul Schacher