Epiphaniasfest am 6. Januar | Mariendarstellungen und Universitätsgeschichte

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Mondsichel- oder Strahlenkranzmadonna, Matrikelschmuckblatt, Thilo von Trotha

Weise Männer, Sternsucher, Entdecker und Forschungsreisende, wie sie im Mittelpunkt des Dreikönigsfestes stehen, hat die Universität seit jeher zu ihrem Personal gezählt. Doch die beiden Hauptpersonen des Weihnachtsfestes, Maria und das Jesuskind, gehören ebenso von Anbeginn an zum Selbstverständnis und in den Symbolkreis der mittelalterlichen Universität. In ihrer Gründungszeit war die Universität fest verwoben mit dem christlichen Weltbild, und so begegnen uns Darstellungen von Maria und ihrem Kind zahlreich in den frühesten Überlieferungen. Die Matrikelbücher sind mit kostbarer Buchmalerei ausgestattet und enthalten detailliert ausgeschmückte Madonnendarstellungen: Maria tritt als junge Frau auf, stehend auf einer Mondsichel, von Lichtstrahlen umgeben, blau und rot gekleidet mit langgeflochtenem Zopf. Die Mondsichel- oder Strahlenkranzmadonna war seit dem 15. Jahrhundert beliebt, sie bekam unter Papst Pius V. (im Zusammenhang mit den Türkenkriegen) einen eigenen Feiertag am 7. Oktober. Die face_mondsichel_madonna_vetreinaerMatrikelabbildungen wirken lebensnah und zugewandt, typisch für die Madonnen der Spätgotik, bei denen die mütterliche Seite stärker betont wird. Für einige ihrer Siegel, beispielsweise das Kleine Rektoratssiegel, wählte die Hochschule ebenso das Mariensymbol. Hier finden wir sowohl das Motiv der Alma mater, der geistigen Nährmutter, als auch das Motiv der Mariendarstellung als Sedes sapientiae, als Sitz der Weisheit. Dieses Motiv ist in der Romanik häufig anzutreffen, es zeigt die sitzende Maria mit dem Jesuskind als verkörperte Weisheit auf dem Schoß, das sie gewissermaßen der Welt präsentiert. Die Leipziger Siegel sind vielfach mit kunstvollem, feingliedrigem Maßwerk gestaltet, das den Thronsitz von Maria schmückt. Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Siegel tagtäglich verwendet, um Dokumente und Zeugnisse zu beglaubigen. Die erst 1923 gegründete Veterinärmedizinische Fakultät wählte wiederum das Marienmotiv für ihr Siegel. Mit den Umbrüchen der folgenden Jahrzehnte ging die Bindung an die historischen und christlich verwurzelten Motive verloren und sie verschwanden aus dem universitären Alltag.

face_mondsichel_madonna_siegelWenn Sie im neuen Jahr das Universitätsarchiv besuchen, dann schauen Sie einmal über dem Haupteingang zum Giebel empor, dort können Sie den Hauptpersonen des Weihnachtsfestes, Maria mit dem Kind, wieder begegnen. Wir wünschen Ihnen überraschende Entdeckungen und neue Erkenntnisse im begonnenen Jahr und freuen uns darauf, Sie wieder im Universitätsarchiv zu begrüßen.

Literatur: Jens Blecher. Die Leipziger Universitätssiegel. Leipzig 2014.

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