Matrikelschmuckblatt des Martin Meyendorn, 1506

Schmuckblatt des Theologen Martin Meyendorn, Rektor im Wintersemester 1506. In roter Schrift Rectoratus magistri Martini Meyendorn de Hirsberck, sacre theologie professoris, colleggii principis collegati anno domini 1506.


Historische Quellen im Universitätsarchiv Leipzig

Die Matrikelbücher sind die wichtigsten urkundlichen Quellen der Universität Leipzig im Mittelalter. Lange vor Erfindung des Buchdrucks erlebte das 15. Jahrhundert eine Explosion der Buchproduktion. Handschriften waren Statussymbole und wurden aufwendig durch Buchmalerei verziert. Machtsymbole auch für die Universität Leipzig: illustrierte Handschriften demonstrierten Bildung, Reichtum und Wissen.

Seit 1409 besteht die Universität Leipzig, seit dieser Zeit werden die immatrikulierten Studenten verzeichnet. Doch was sind eigentlich Matrikelbücher? Dieser Name ist heute nicht mehr geläufig. Matrikel-Bücher sind also in Leder gebundene Verzeichnisse, in denen die Studenten durch den Rektor bzw. später von Schreiberhand eingetragen wurden. Die frühen Rektor-Matrikelbücher sind besonders aufwendig verziert. Das höchste Amt der Universität , das Rektoramt, wurde für ein Semester ausgeübt. Das Sommersemester begann am 23. April und das Wintersemester ungefähr am 16. Oktober. Die Wahl des Rektors war angefangen vom ausgehenden Mittelalter bis weit in die Neuzeit reichend, von der Zugehörigkeit zu den Fakultäten abhängig. Meist wurden Adlige mit dem Rektoramt bekleidet, Rektor Martin Meyendorn aus Hirschberg war Rektor im Wintersemester 1506.

„Thomas Munczer de Quedilburck“

Ein berühmter Leipziger Student war Thomas Müntzer, Rektor Meyendorn hat ihn unter den sächsischen Studenten (De nacione Saxonum) eingetragen. Die Eintragungsliste hat  „Thomas Munczer de Quedilburck“ verzeichnet. 6 Groschen hat Thomas Müntzer bezahlt. Studienkollegen Müntzers waren Ulrich von Hutten, der im Wintersemester 1507/1508 immatrikulierte und Christoph Schappeler, der 1510 zum Licenciaten der Theologie promovierte. In dieser Zeit haben auch Johann Agricola und Georgius Agricola, Johannes Wildenauer de Egra, der sich Egranus nannte, in Leipzig studiert.

Verzierte Initiale „A“

Rektor Martin Meyendorns Matrikelschmuckblatt zeigt malerischen Buchschmuck. Im Inneren der blauen Initiale „A“ finden wir eine aufwendige Illustration mit einem Bischof, zu dessen Füssen ein Kind kniet, den Krummstab in der Hand.  Blumenranken mit geöffneten Blumenköpfen umranken die Initiale, der Buchstabe ist ausgefüllt. Initialen entstanden etwa seit dem 4. Jahrhundert. Ein Buchstabe wurde besonders hervorgehoben, und  damit der Text gegliedert. Als Schmuckelemente dienen Blumenrankenausläufe, die die pergamentene Handschrift illustrieren. Sie können weit in die unbeschriebenen Ränder des Blattes hinausragen und in gotischer Zeit Bordüren bilden, die das gesamte Blatt ausfüllten. Schreiber und Maler waren nicht identisch, im Kloster wurde der aufwendige Buchschmuck angefertigt. Der Schreiber hat oftmals über die Ranken geschrieben.

Schmuckblatt des Theologen Martin Meyendorn, Rektor im Wintersemester 1506. Detail.
Schmuckblatt des Theologen Martin Meyendorn, Rektor im Wintersemester 1506. Detail.

Matrikel waren Statussymbol der Universität und man hat besonders viel Sorgfalt in deren Gestaltung investiert. Der vollzogene Eintrag in die Matrikel galt als Beweis des Eides auf die Universitätsverfassung und brachte eine Reihe von Vergünstigungen gegenüber den nichtakademischen Stadt-Bürgern mit sich. Nur Studenten und akademische Bürger waren zum Besuch der Universität berechtigt.

Das sitzende Kind zu Füssen des Bischofs, Schmuckblatt des Theologen Martin Meyendorn, Rektor im Wintersemester 1506. Detail.
Das sitzende Kind zu Füssen des Bischofs, Schmuckblatt des Theologen Martin Meyendorn, Rektor im Wintersemester 1506. Detail.

Blumenrankenmotiv

Prachtvoll sind die ältesten kostbaren Pergamenthandschriften verziert. Dieser Ausschnitt zeigt das typische Blumenrankenmotiv dekoriert mit Obst und Früchten. Der Schreiber hat rote und braune Tusche verwandt, so wie er für die Überschrift mit dem Rektortitel „Rectoratus magistri Martini Meyendorn de Hirsberck, sacre theologie professoris, colleggii principis collegati anno domini 1506″ auch rote Tusche verwandt hat.

Universitätsarchiv Leipzig, UAL Rek M01_0244 Matrikel der Philosophischen Fakultät (Liber decanatuum et promotorum in artibus), Quellen im Universitätsarchiv Leipzig.
Universitätsarchiv Leipzig, UAL Rek M01_0244 Matrikel der Philosophischen Fakultät (Liber decanatuum et promotorum in artibus), Quellen im Universitätsarchiv Leipzig.

 

Literatur:

Die Matrikel der Universität Leipzig. Historisch-kritische Quellenpublikation. 

Codex Saxonie Digitale Edition

Brieger, Theodor.  Die Theologischen Promotionen auf der Universität Leipzig 1428-1539.  

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