Zum Geburtstag des Theaterkritikers Otto Flake

. . .

Otto Flake wurde am 29. Oktober 1880 in Metz geboren. Er studierte Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Straßburg, das Studium bricht er 1904 ab.  Er war Mitglied der Künstlergruppe “Das jüngste Elsaß” (Der Stürmerkreis). Im November 1907 kam er mit 28 Jahren durch einen Zufall nach Leipzig. Kaum bekannt ist, dass er sich am 12.November 1907 für ein Studium der Philosophie an der Universität Leipzig immatrikulierte. Kostbares Zeugnis ist der Matrikeleintrag Otto Flakes, den das Universitätsarchiv Leipzig Ihnen heute vorstellt. Otto Flake war einst ein bekannter Autor des Fischer-Verlages, ist heute aber fast vergessen.

Der Elsässer Otto Flake, der in der Berliner Zeitschrift “Die Schaubühne” und der elsässischen Zeitschrift “Der Stürmer” zusammen mit seinem Schulfreund René Schickele (1883 – 1940) veröffentlichte, sollte im November 1906  seinen neuen Posten als Theaterkritiker beim “Leipziger Tageblatt” antreten. In seiner Autobiographie “Es wird Abend” schreibt er über seine Ankunft:

“Der November naht, ich mußte mich für oder gegen Straßburg entscheiden. Eines Morgens, als ich in Seckbach gerade das Haus verließ, sprang der Postbote vom Rad und erkundigte sich, ob er hier richtig sei. Er hielt mir einen Eilbrief entgegen… Paul Wiegler in Leipzig teilte mir mit, er habe eine Berufung vom “Berliner Tageblatt” bekommen und müsse, um zusagen zu können, rasch einen Ersatzmann finden, ob ich mich dem Posten am “Leipziger Tageblatt” gewachsen fühle? Wenn ja, möge ich ein Telegramm schicken und meine Ankunft mitteilen…. Ich fuhr nach Leipzig und kam auf einem der Bahnhöfe an, die noch aus der Frühzeit stammten, den Hauptbahnhof gab es noch nicht. Die Druckerei lag am Augustusplatz, in der Johannisgasse…”

Der junge Theaterkritiker nahm in Bezug auf das Leipziger Publikum keinerlei Rücksichten, das “große Leipzig” zeige einen “Provenzialismus” der von der “modernen Weltanschauung”  unberührt geblieben ist.

“Leipzig besitzt das unerzogenste Theaterpublikum von allen deutschen Städten, und dieses Publikum zeigt wieder einmal, welches die wesentlichen Merkmale eines unkünstlerischen Verhältnisses zur Kunst sind….”

Flake bedachte das Leipziger Theaterpublikum mit Spott und Häme. 1907 folgten große Diskussionen im Stadtrat, Flake verlor im April 1908 seinen Posten und ging am 4. August 1908 von der Universität ab. Er verließ Leipzig, bereit zum Sprung als freier Schriftsteller in die große weite Welt, und kam später für kurze Besuche zurück. Otto Flake leistete 1933 mit anderen Kollegen einen Treueschwur auf Adolf Hitler, “Es sei im Interesse des Verlags, wenn möglichst viele Autoren unterschrieben. Es sei auch mein Interesse und das meiner Frau.” Namhafte Literaten wie Thomas Mann, Bertolt Brecht und Alfred Döblin, längst in der Emigration, kritisierten dies, Otto Flake geriet in die künstlerische Isolation. Nach dem 2. Weltkrieg veröffentlichte er aufgrund finazieller Schwierigkeiten  Groschenromane unter einem Pseudonym. 1954 erhielt er  den Hebelpreis, 1955  das Große Bundesverdienstkreuz, 1960 den Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und den Heimatpreis der Stadt Baden-Baden. Otto Flake war fünfmal verheiratet. Er starb am 10. November 1963 in Baden-Baden.

Otto Flakes Eintrag in die Quästur

Studentenkartei Quästur Otto Flake Universitätsarchiv Leipzig UAl Quaestur020770
Bestand: Quellenabschrift Matrikelabschrift 1790-1909
Name: Otto Flake
Lebensalter: 27
Geburtsort: Metz
Religion: prot.
Stand_der_eltern: + [verstorben] Gefängnisexpedient
Vaterland: Lothr.
Wohnung: Lange Str. 32b
Auslaender: Inländer
Immadatum: 12.11.1907
Semester_Jahr: 1907/08
Studium: philos.
lfd_nr: 0203
letzter_Aufenthalt: Leipzig
Signatur: Rep. M 28_81663
Digitalisate: Keine Vorhanden

 

Bild mit freundlicher Genehmigung von Universitätsarchiv Leipzig. Tradition und Moderne. Seit 1409. | Universitätsarchiv Leipzig
Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Search in posts
Suche in der Website
Kontakt | Impressum | Datenschutz | Universitaetsarchiv Leipzig. Tradition und Moderne. Seit 1409.