Zum Geburtstag des Privatgelehrten Caspar René Gregory | 1914 ältester deutscher Kriegsfreiwilliger

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“Am meisten von allen Professoren hat mich Caspar René Gregory berührt. Harnack hat von ihm gesagt: ‘Niemals habe ich einen Menschen gesehen, der so wie er die Nachfolge Christi übte.’

Karl Josef Friedrich, Mein buntes Leben – Erinnerungen eines sächsischen Dichterpfarrers

 

Caspar René Gregory (06.11.1846 in Philadelphia –  09.04.1917 in Neuchâtel-sur-Aisne) studierte von 1865 bis 1867 Theologie an den Universitäten Philadelphia und Princeton.  Er plante sein Studium in Leipzig unter Konstantin von Tischendorf fortzusetzen, der aber starb bereits 1874.  Seine Arbeit zur neutestamentlichen Textforschung begann er durch die Anregung seines Lehrers Ezra Abbot.  Caspar René Gregory führte Tischendorfs Arbeit weiter. Er habilitierte sich 1884 und wurde 1889 außerordentlicher Professor und 1891 ordentlicher Honorarprofessor in Leipzig. Den philosophischen Doktortitel laut dem Procancellarbuch 128 b der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig erlangte er 1876 unter dem Titel: Gregorè the priest and the revolutionist. Der Erstgutachter war hierbei der Historiker Georg Voigt. 

Auch die im Universitätsarchiv Leipzig befindliche Promotionsakte (Akten gesperrt laut SächsArchivG und SächsDSG)  besagt das Gleiche. Gregory besaß wohl mehrere Doktortitel. Karl Josef Friedrich spricht in seinem Lebensbild Gregory gar als einen fünffachen Doktor an. Bezeugt ist zumindest auch ein in Leipzig 1889 erlangter theologischer Doktortitel. Zusammen mit dem Politiker Friedrich Naumann und dem Juristen Rudolph Sohm war er an der Gründung des Nationalsozialen Vereines beteiligt. Mit dem Leipziger Theologen Adolf von Harnack verband ihn eine enge Freundschaft.

Als der älteste deutsche Kriegsfreiwillige trat der Deutsch-Amerikaner Gregory, seit 1881 sächsischer Staatsbürger, im August 1914 immerhin bereits 68-jährig in das deutsche Heer ein. Nach zwei Jahren wurde er Leutnant. Er starb im Lazarett an der Westfront 1917. Gregory war Mitglied in der Sängerschaft Arion sowie der Freimaurerloge Apollo in Leipzig.

 

Gregory-Denkmal in der Naunhofer Straße, Foto: Mario Todte

 


Literatur:

Mario Todte: Georg Voigt (1827–1891). Pionier der historischen Humanismusforschung. Leipzig 2004, ISBN 978-3-937209-22-7, S. 111.