Abbildung: Die Pleißenburg kurz vor ihrem Abriss im Jahre 1897, links die Thomaskirche, im Vordergrund ist der Einschnitt des Pleißemühlgrabens zu erkennen. Historische Postkarte Universitätsarchiv Leipzig UAL, Rep. II/I/C 1

Was uns Archivalien erzählen… “Da, wo es knallt und stinkt”

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Vorstellungen Johann Christoph Scheiders für das chemische Laboratorium, 1713. UAL Rep. II/I/C 1 Vorstellungen Johann Christoph Scheiders für das chemische Laboratorium, 1713. UAL Rep. II/I/C 1

 

Erste “Professor für Chymie”

Johann Christoph Scheider (1681 – 1713), Doktor der Medizin, erhielt am 3. September 1710 die erste “Professor für Chymie” an der Universität Leipzig. Diese Professur war seinerzeit noch an der Medizinischen Fakultät angegliedert. Scheider bemühte sich um die Errichtung eines chemischen Laboratoriums. Er vertrat den Standpunkt, die Chemie sei nicht lediglich durch reine theoretische Vorlesungen, sondern vor allem durch praktische Versuche zu ermitteln.  Johann Christoph Scheider (1681 – 1713) konnte sich allerdings bei seinem Versuch, ein Laboratorium aufzubauen, nicht gegen eine Gruppe von ablehnend eingestellten Professoren durchsetzen, die sich um den Theologen Gottfried Olearius (1672 – 1715) gebildet hatte. Scheider verließ die Stadt, das Ordinariat erlosch 1712. Wie die Akten belegen, waren die Vorstellungen Scheiders für das chemische Laboratorium recht präzise und mit sehr genauen kleinen Zeichnungen (Abbildung oben) illustriert.

 

Ein Chemie-Laboratorium erst nach 20jährigem Kampf

Der Bedeutungszuwachs chemischen Bildungsgutes bewog 1710  Kurfürst Friedrich August I., auch der Starke genannt, an der Medizinischen Fakultät zusätzlich zum Extraordinariat von 1668 noch eine ordentliche Professur für Chemie einzurichten. Zugleich ordnete er an, über Chemie nicht nur vom Katheder aus zu lesen, sondern ein chemisches Laboratorium zu gründen, in der Vorlesung Experimente vorzuführen und mit praktischen Unterweisungen der Studierenden zu beginnen.  Die Wahl für den Zeitpunkt dieser verstärkt auf Praxis und Experiment gerichteten Forderung des Kurfürsten wird verständlich, wenn man weiß, dass  1710 auf der Messe in Leipzig erstmalig Meißner Porzellan ausgestellt und zum Kauf angeboten wurde. Der am 8. September 1784 als Nachfolger von Prof. Anton Riediger, der in der Laborangelegenheit auch nach Scheider wiederum erfolglos blieb, berufene Christian Gotthold Eschenbach (1753 – 1831) war in seinen Bemühungen um ein Laboratorium erst nach 20jährigem Kampf erfolgreich.

Abbildung: Die Pleißenburg kurz vor ihrem Abriss im Jahre 1897, links die Thomaskirche, im Vordergrund ist der Einschnitt des Pleißemühlgrabens zu erkennen. Historische Postkarte Universitätsarchiv Leipzig UAL, Rep. II/I/C 1
Abbildung: Die Pleißenburg kurz vor ihrem Abriss im Jahre 1897, links die Thomaskirche, im Vordergrund ist der Einschnitt des Pleißemühlgrabens zu erkennen. Historische Postkarte Universitätsarchiv Leipzig UAL, Rep. II/I/C 1

 


Erst nach langem Kampf wurde am 30. Juni 1805 das erste chemische Laboratorium der Universität in einem frei gewordenen Raum auf der Pleißenburg übergeben. 1897/98 schließlich wurde die Pleißenburg abgerissen. Im Zentrum der Stadt schuf man ein freies Gelände, auf dem zwischen 1899 und 1905 nach einem Entwurf von Hugo Licht das Neue Rathaus gebaut wurde.  Der heutige Rathausturm steht auf dem Fundament des Turmes der alten Pleißenburg. Er markiert somit genau die Stelle in Leipzig, an der sich das erste chemische Laboratorium der Universität befand. Auf dem Burgturm hatte seit 1794 außerdem die Sternwarte der Universität ihren Sitz.

 

 

Bild mit freundlicher Genehmigung von Universitätsarchiv Leipzig. Tradition und Moderne. Seit 1409. | Universitätsarchiv Leipzig