Universitätsreformer Caspar Borner starb heute vor 471 Jahren

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Handschriftliche Anmerkungen Caspar Borners im Copialbuch 1442-1726 des Grosses Fürstenkollegs. Caspar Borner (1492-1547, immatrikuliert 1507), Universitätsreformer und mehrmaliger Rektor der Universität, war ein Schüler des Humanisten Aesticampianus. Er starb am 2. Mai vor 471 Jahren an der Seuche in Leipzig.

Als Schüler Aesticampianus strebte Borner nach humanistischer Bildung, verfügte über eine eigene Anschauung des klassischen Italien und Europas.    Herausragend war seine “Einführung in die lateinische Grammatik” (1524). An der Universität versammelte er dem Humanismus verpflichtete Lehrkräfte um sich. Seine Lehrtätigkeit umfaßte philologische und mathematische Disziplinen, Vorträge und Schriften über Astronomie, Erdkunde und Geschichte. Rechtskenntnisse erwarb er durch langjährige praktische Tätigkeit in der Universitätsverwaltung, Verdienste um das Ansehen der Hochschule durch ihre protestantische Reformation und die Neuordnung des Lehrbetriebes während seiner Rektorate. Mit Caspar Borner wurde am 16. Oktober 1539 eine Persönlichkeit als Rektor gewählt, die sich durch Rührigkeit, Intelligenz, Entschlossenheit und Ausdauer in Verhandlungen mit dem Rat der Stadt auszeichnete. Er hatte das Rektoramt an der Universität Leipzig mehrmals inne: von 1539 bis 1540, von 1541 bis 1542, von 1543 bis 1544. Unter seiner Regide erreichte er mit Unterstützung des Herzog Moritz (1521-1553): die Reform der Universitäts-Statuten, eine gesicherte Besoldung der Professoren, die Bereicherung und Einrichtung der Universitätsbibliothek, den Kauf des Paulinerklosters. Die Leipziger Universität wurde reformiert und aus den dogmatischen Bindungen einer mittelalterlichen, halbgeistlichen Anstalt befreit.

Epitaph des Caspar Borner aus dem Chor der 1968 gesprengten Universitätskirche. Es gilt als das Hauptwerk des in Leipzig ansässigen Ratsbaumeisters Paulus Speck (gest. 1557). Tracht und Buch weisen Borner als Gelehrten aus. Universitätsarchiv Leipzig UAL FS N00979
Epitaph des Caspar Borner aus dem Chor der 1968 gesprengten Universitätskirche. Es gilt als das Hauptwerk des in Leipzig ansässigen Ratsbaumeisters Paulus Speck (gest. 1557). Tracht und Buch weisen Borner als Gelehrten aus. Universitätsarchiv Leipzig UAL FS N00979

Paulinerkirche mit dem Denkmal des Caspar Borner

Im Chor der Kirche stand der Sandsteinepitaph des Caspar Borner. Über einer Inschrifttafel steht ganzfigürlich Caspar Borner in Vorderansicht, dargestellt im Hochrelief, unter einem Frührenaissance-Baldachin. Er trägt einen Talar, ist baarhäuptig und bartlos, in mittlerem Alter, mit lebensvollen Zügen. Über ihm ist eine zweite, kleinere Inschrifttafel angebracht.

Alumnus, Professor, Universitätsreformer und Humanist, Wegbereiter des Luthertums in Leipzig

Caspar Borner wurde 1492 in Großenhain geboren, er starb am 02.Mai 1547 an der Seuche in Leipzig. Im Jahre 1512 begann Caspar Borner ein Studium an der Artistenfakultät der Universität Köln, 1519 ein Studium an der Universität Wittenberg, von 1507 bis 1509 ein Studium an der Artistenfakultät der Universität Leipzig. Es folgte die  Promotion zum Lic. theol. an der Universität Leipzig, 1509 die Promotion zum Bacc. art. an der Universität Leipzig, 1518 die Promotion zum Mag. art. an der Universität Leipzig, 1543 die Promotion zum Dr. theol. an der Universität Leipzig.

1523 legte er den Magister für Philologie und Mathematik an der Universität Leipzig ab. 1519 wurde er Professor für Astronomie an der Universität Merseburg, 1542 Professor für Theologie.

1511 unternahm Borner eine Reise nach Italien. Vier Jahre später wurde er Lehrer an der von Aesticampianus gegründeten Schule in Freiberg. 1519 war Caspar Borner Teilnehmer der Eröffnung der Leipziger Disputation. 1522 folgte die Akolythenweihe in Merseburg, von 1522 bis 1539 war er Rektor der Thomasschule. Von 1532 bis 1533 und 1535 bis 1536 war Caspar Borner Vizekanzler der Universität Leipzig, anschließend 1536 Prokanzler. Von 1536 bis 1538 war er Kollegiat am Kleinen Fürstenkolleg, ab 1538 Kollegiat am Großen Fürstenkolleg. 1539 wird er Bibliothekar der Universität Leipzig und richtet die vereinigte Bibliothek der Artisten und des ´Großen Kollegs´ im Mittelpaulinum ein. Die Bibliotheken der umliegenden säkularisierten Klöster werden der Universität übereignet. Die Universität Leipzig erhält damit Buch- und Handschriftenbestände aus 9 Klöstern.

 

Abbildung oben: Copialbuch 1442-1726, Grosses Fürstenkolleg B 4

Chronologisch nicht geordnete Abschriften von Urkunden. Mit Randnotizen von Caspar Borner von Bl. 1-44, dann gelegentlich von wechselnden Händen. Papierhandschrift Folio, in grünes Pergament gebunden. Von alten Händen gezählt Bl. 1-60, S. 61-144, Bl. 145-209. Am Anfang und am Ende je drei ungezählte Blätter. Auf den ersten ungezählten Blättern von einer Hand des 18. Jahrhunderts “Copiale des großen Fürstenkollegs”. Sprache: Latein und Deutsch. Vgl. Zarncke, Urkundl. Quellen S. 737 ff. Zarncke gibt Regesten der Urkunden aus der Zeit bis 1554.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Pauliner-Universitäts-Kirche: Denkmal des Caspar Borner. Gest. 1547. Im Chor der Kirche Universitätsarchiv Leipzig UAL FS N00979
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