Die Mathematische Modellsammlung von Felix Klein

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Das Universitätsarchiv Leipzig hat aus der Fakultät für Mathematik und Informatik eine größere Sammlung mathematischer Modelle zur Bewahrung und wissenschaftlichen Erschließung aufgenommen. In einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Mathematischen Institut sollen die Objekte der wissenschaftlichen Nutzung besser zugänglich gemacht werden.

 

Die erste Projektphase ist nun abgeschlossen: alle 280 Modelle sind geordnet, in einer Datenbank neu verzeichnet und beschrieben, sowie photographisch dokumentiert. In einer zweiten Projektphase werden die einzelnen Objekte nun in ihrem mathematisch-didaktischen Kontext eingeordnet.

Die Mathematische Modellsammlung von Felix Klein. Foto: Universitätsarchiv Leipzig.
Die Mathematische Modellsammlung von Felix Klein. Foto: Universitätsarchiv Leipzig.

Die Sammlung geht zurück auf Felix Klein, der 1880 als Professor für Geometrie an die Universität Leipzig berufen wurde. Bereits in seiner Antrittsrede setzte sich der Professor Klein dafür ein, eine Sammlung mathematischer Modelle zu erwerben „um die Kluft, welche schon jetzt den theoretischen Mathematiker von den Anwendungen trennt“ zu verringern und den Unterricht an der Universität zu verbessern.

Bei den Modellen handelt es sich vorwiegend um Gipsmodelle, aber auch Drahtmodelle, kinematische Modelle, Zeichenapparate und Rechenmaschinen finden sich in der Sammlung. Die ältesten Objekte sind vom Verlag Delagrave in Paris herausgegeben worden. Die größere Zahl stammt jedoch aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert von der Verlagshandlung Brill in Darmstadt. Der Verkauf der Modelle wurde 1899 vom Verlag Martin Schilling in Halle an der Saale, später in Leipzig, übernommen.

Felix Klein, einer der führenden Mathematiker seiner Zeit

Felix Klein war einer der führenden Mathematiker seiner Zeit. Er widmete sich besonders der Algebra, der Funktionentheorie, der euklidischen und nichteuklidischen Geometrie. Gleichzeitig bewies er großes organisatorisches Geschick, um die Belange seines Faches zu vertreten. Er wurde am 25. April 1849 in Düsseldorf als Sohn eines Beamten geboren.

Die Mathematische Modellsammlung von Felix Klein. Foto: Universitätsarchiv Leipzig.
Die Mathematische Modellsammlung von Felix Klein. Foto: Universitätsarchiv Leipzig.

 

1880 erhielt Felix Klein den Ruf nach Leipzig als Professor für Geometrie. Seine Antrittsvorlesung hielt er am 25. 10. 1880 zum Thema „Über die Beziehungen der neueren Mathematik zu den Anwendungen“.In seine Leipziger Zeit fiel seine fruchtbarste wissenschaftliche Schaffensperiode. Er lieferte grundlegende Beiträge zur Theorie der algebraischen Gleichungen und zur Funktionentheorie und machte sich verdient um die Anwendung der Mathematik auf Technik und Maschinenbau. Gleichzeitig widmete er sich der Organisation des Lehrbetriebes. 1881 begründete er das traditionsreiche Leipziger Mathematische Seminar.

Die mathematischen Vorlesungen wurden im „Czermakschen Spektatorium“1 in der Talstraße gehalten. Dieses hatte auch Nebenräume für eine Bibliothek und für eine Modellsammlung zur Veranschaulichung geometrischer Sachverhalte, die Klein angeschafft hatte. Das Mathematische Seminar erhielt 1883 zusätzliche Räume im „Kleinen Fürstenkolleg“. Ab 1886 wurden die beiden getrennten Teile, das sogenannte „Institut“ und das „Seminar“, als Mathematisches Institut bezeichnet. Ein mathematisches Colloquium und ein mathematisches Seminar machte die Studierenden mit den Neuerscheinungen der mathematischen Literatur bekannt und leitete sie zu eigenen Arbeiten an. Neben Spezialvorlesungen verlangte Klein an der Leipziger Universität auch allgemeine Grundvorlesungen. Im Anschluss an die Vorlesungen wurden konstruktive Übungen abgehalten. Das zog junge Mathematiker nach Leipzig.

 

Die Mathematische Modellsammlung von Felix Klein. Foto: Universitätsarchiv Leipzig.
Die Mathematische Modellsammlung von Felix Klein. Foto: Universitätsarchiv Leipzig.

 

Neben seiner Vorlesungstätigkeit widmete er sich intensiv den Lehramtskandidaten und dem wissenschaftlichen Nachwuchs. Der Doppelbelastung von Spitzenforschung und Verwaltung war er auf Dauer nicht gewachsen. Er erlitt einen schweren Nervenzusammenbruch, in dessen Folge er sich nicht mehr so intensiv der Forschung widmen konnte. Er kümmerte sich mehr um die Organisation des Wissenschaftsbetriebes und seine Integration in die Gesellschaft.

Auf Betreiben des preußischen Ministerialdirektors Friedrich Althoff wurde Klein 1886 nach Göttingen berufen. Als seinen Nachfolger in Leipzig empfahl er nachdrücklich den norwegischen Mathematiker Sophus Lie. Die Göttinger Universität baute er zum weltweit wichtigsten Zentrum der Mathematik aus. Neben bedeutenden Mathematikern wurden auch bedeutende Physiker nach Göttingen geholt. Klein wirkte in Göttingen bis zu seinem Tod am 22.6.1925. Felix Klein sah die Mathematik in engem Bezug zu den angewandten Disziplinen. Er war der einzige deutsche Mathematikprofessor, der Mitglied im Verein Deutscher Ingenieure war. Kleins fundamentale Arbeiten zu Geometrie, Algebra und Funktionentheorie erlangten grundlegende Bedeutung. Er gab eine Reihe von Vorlesungsskripten und Lehrbüchern heraus. Hier sei besonders seine Vorlesung zur Theorie des Kreisels erwähnt. Hauptwerke waren die Herausgabe der „Enzyklopädie der mathematischen Wissenschaften mit Einschluß ihrer Anwendungen“ und die „Entwicklung der Mathematik im 19. Jahrhundert“. Klein war auch ein Förderer der mathematischen Bildung. Er war Mitbegründer und Vorsitzender der „Internationalen Kommission zur Förderung des mathematischen Unterrichts“ und schrieb das zweibändige, für Lehrer gedachte Werk „Elementarmathematik vom höheren Standpunkt aus“.

Die Mathematische Modellsammlung von Felix Klein. Foto: Universitätsarchiv Leipzig.
Die Mathematische Modellsammlung von Felix Klein. Foto: Universitätsarchiv Leipzig.

Ein Tätigkeitsfeld Kleins lag in der Umgestaltung des mathematischen Unterrichts in den Schulen. Nicht zuletzt durch Kleins Wirken wurden 1900 die mathematisch- naturwissenschaftlichen Fächer den humanistischen an den deutschen Schulen gleichgestellt. Im Mathematikunterricht forderte er die Stärkung des räumlichen Anschauungsvermögens, eine Erziehung zum funktionalen Denken und die Einführung der Infinitesimalrechnung als obligatorisches Unterrichtsthema. Felix Klein war Mitbegründer der Deutschen Mathematiker-Vereinigung und Vorsitzender der Internationalen Mathematischen Unterrichtskommission.



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Johann Rhagius Aesticampianus nannte Leipziger Magister „schmutzige und ruhmlose Seelen ohne Bildung und Witz.“

Bei einer Abschiedsrede 1511 verschaffte Aesticampianus seinem Ärger über die Leipziger Magister mit einer formgewandten Rede Luft und bezeichnete sie bei dieser Gelegenheit unter anderem als „schmutzige und ruhmlose Seelen ohne Bildung und Witz.“ Die Universitätsversammlung, der alle Leipziger Magister angehörten, entzog ihm darauf die Universitätszugehörigkeit auf die Dauer von zehn Jahren.

In der Matrikel findet sich noch der später hinzugefügte strafverschärfende Zusatz „pridie quam moreretur“. Aesticampianus, dessen Schüler Caspar Borner Jahrzehnte danach für eine erhebliche Modernisierung und Reformierung der Leipziger Universitätsordnung sorgte, ging frohen Herzens von Leipzig nach Rom. Dort promovierte er zum Doktor der Theologie, lehrte anschließend in Paris und erhielt als 60jähriger noch eine Professur in Wittenberg angeboten. Im freundschaftlichen Verbund mit den Reformatoren um Martin Luther und Philipp Melanchthon konnte er an der Leucorea bis zu seinem Tod im Jahre 1520 erfolgreich und hochgeachtet wirken.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Universitätsarchiv Leipzig. Tradition und Moderne. Seit 1409. | Universitätsarchiv Leipzig