Literaturnobelpreisträger Theodor Mommsen

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1902 vergab das Schwedische Nobelpreiskomitee 1902 den Literaturnobel-Preis an den ersten Deutschen, den Historiker Theodor Mommsen. Vor 200 Jahren wurde er geboren. Der Professor für Römisches Recht an der Universität lebte von Ende 1848 bis Anfang 1852 in der Chopinstraße 13. Ihm zu Ehren wird heute 11 Uhr eine Gedenktafel enthüllt.

Der junge Theodor Mommsen (Mitte) mit Moriz Haupt und Otto Jahn (Daguerreotypie, Leipzig 1848)
Der junge Theodor Mommsen (Mitte) mit dem klassischen Philologen Moritz Haupt (1808-1874), Ordinarius an der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig 1843 (links), und dem Philologen und Archäologen Otto Jahn (1813 – 1896), 1847 Professor der Archäologie an der Universität Leipzig. Daguerreotypie, Leipzig 1848.

Der Pfarrersohn Theodor Mommsen wurde am 30. November 1817 im nordfriesischen Garding geboren. Im Alter von 85 Jahren starb er am 01. November 1903 in Berlin-Charlottenburg. Von 1838 bis 1843 studierte er Rechtswissenschaft und Philologie an der Christian-Albrechts-Universität Kiel. 1843 erfolgte die Promotion zum Dr. jur. an der Universität Kiel über Ad legem de scribis et viatoribus et De auctoritate. Es folgte eine  akademische Karriere an renommierten Universitäten: nach der Besetzung Schleswig-Holsteins durch die Dänen ging Mommsen nach Leipzig. Hier war Mommsen außerordentlicher Professor für Rechtswissenschaft an der Juristenfakultät der Universität Leipzig von 1848 bis 1851. Es folgte Mommsens Entlassung aus dem sächsischen Hochschuldienst wegen der Beteiligung am sächsischen Maiaufstand 1849.

Entlassung der Professoren Haupt, Jahn und Mommsen aus dem sächsischen Hochschuldienst

Gegen die Professoren Moritz Haupt, Otto Jahn und Theodor Mommsen wurde wegen ihres Eintretens für die Reichsverfassung ein Kriminalverfahren eröffnet. Haupt und Mommsen wurden zu einjähriger Festungshaft auf Hubertusburg verurteilt. Otto Jahn wurde ab instantia freigesprochen. “Ich mag es mir nicht ausdenken, wie unsere gemeinsame Zukunft nun zerschlagen und zerstört ist”, schrieb er 1850 aus Kiel an Mommsen, mit dem er ein schönes Vorstadthaus bewohnte, überlassen vom Leipziger Verlagsbuchhändler Wigand. “Daß ich freigesprochen bin, kommt mir fast wie eine Verschärfung vor.” Die Regierung verfügte die Absetzung “zum Besten der Universität”, da Haupt, Jahn und Mommsen während der Maitage als akademische Lehrer “öffentlich Ärgerniß gegeben und ein sehr schlechtes Beispiel für die academische Jugend aufgestellt” hätten. Am 5. Juni 1851 teilte Rektor Bülau dem Restsenat mit, daß das Kultusministerium die Entlassung der drei Professoren vollzogen habe. Vergebens trat die Philosophische Fakultät für die Zurücknahme der Relegation ein. Die Universität verliere “drei ihrer besten wissenschaftlichen Zierden”. Haupt, Jahn und Mommsen legten vergebens Einspruch gegen den Verlust ihrer Ämter, Titel und Besoldung ein.

Nach seiner Entlassung aus dem sächsichen Hochsschuldienst  war Mommsen von 1852 bis 1854 ordentlicher Professor für Römisches Recht an der Universität Zürich, von 1854 bis 1857 ordentlicher Professor für Römisches Recht an der Universität Breslau, von 1858 bis 1895 auf Anraten Alexander von Humboldts ordentlicher Professor für Alte Geschichte an der Universität Berlin. Theodor Mommsen war Ordentliches Mitglied der Philologisch-Historischen Klasse der Königlich-Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig (1849/1852), Auswärtiges Mitglied der Königlich-Bayerischen Akademie der Wissenschaften zu München (1852/1903), Korrespondierendes Mitglied der Philologisch-Historischen Klasse der Königlich-Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig (1852/1903), Korrespondierendes Mitglied der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin (1853/1858) und Vizekanzler des Preußischen Ordens Pour le meritée.Seit

1844/1847 unternahm Mommsen ausgedehnte Studienreisen nach Frankreich und Italien. Seit 1848 vertrat er als Journalist liberale Auffassungen. 1854 heiratete Mommsen Maria Auguste Reimer (1832-1907), die Tochter des Leipziger Verlegers Karl Reimer (1801-1851). Er war Vater von 16 Kindern.

 

1863/1866 und 1873/1879 war Mommsen Abgeordneter im preußischen Landtag. Er wandte sich 1879/80 im Berliner Antisemitismusstreit gegen den Historiker und nationalliberalen Abgeordneten im deutschen Reichstag Heinrich von Treitschke (1834-1896), dem er vorwarf, eine Formulierung aus Mommsens Römischer Geschichte als Argument für den Antisemitismus zu nutzen.Theodor Mommsen war 1881/1884 Abgeordneter im Reichstag, er geriet 1881 mit Bismarck in eine Auseinandersetzung über die Sozialistengesetze. 1902 erhielt er als erster Deutscher den Nobelpreis für Literatur für seine “Römische Geschichte”, die als bedeutendes Werk Alter Geschichte bereits 1854 bis 1885 erschien.

“… dem gegenwärtig größten lebenden Meister der historischen Darstellungskunst, mit besonderer Berücksichtigung seines monumentalen Werkes ‘Römische Geschichte’.

Nobelpreis-Komitee, 1902

Ein Auszug aus der Einleitung von Theodor Mommsen Römischer Geschichte, Kapitel 3 soll seine literarische Schreibweise verdeutlichen:

“Rings um das mannigfaltig gegliederte Binnenmeer, das tief einschneidend in die Erdfeste den größten Busen des Ozeans bildet und, bald durch Inseln oder vorspringende Landfesten verengt, bald wieder sich in beträchtlicher Breite ausdehnend, die drei Teile der Alten Welt scheidet und verbindet, siedelten in alten Zeiten Völkerstämme sich an, welche, ethnographisch und sprachgeschichtlich betrachtet, verschiedenen Rassen angehörig, historisch ein Ganzes ausmachen. Dies historische Ganze ist es, was man nicht passend die Geschichte der alten Welt zu nennen pflegt, die Kulturgeschichte der Anwohner des Mittelmeers, die in ihren vier großen Entwicklungsstadien an uns vorüberfährt: die Geschichte des koptischen oder ägyptischen Stammes an dem südlichen Gestade, die der aramäischen oder syrischen Nation, die die Ostküste einnimmt und tief in das innere Asien hinein bis an den Euphrat und Tigris sich ausbreitet, und die Geschichte des Zwillingsvolkes der Hellenen und der Italiker, welche die europäischen Uferlandschaften des Mittelmeers zu ihrem Erbteil empfingen. Wohl knüpft jede dieser Geschichten an ihren Anfängen an andere Gesichts- und Geschichtskreise an; aber jede auch schlägt bald ihren eigenen abgesonderten Gang ein. Die stammfremden oder auch stammverwandten Nationen aber, die diesen großen Kreis umwohnen, die Berber und Neger Afrikas, die Araber, Perser und Inder Asiens, die Kelten und Deutschen Europas, haben mit jenen Anwohnern des Mittelmeers wohl auch vielfach sich berührt, aber eine eigentlich bestimmende Entwicklung doch weder ihnen gegeben noch von ihnen empfangen; und soweit überhaupt Kulturkreise sich abschließen lassen, kann derjenige als eine Einheit gelten, dessen Höhepunkt die Namen Theben, Karthago, Athen und Rom bezeichnen.”

Publikationen Theodor Mommsens (Auswahl):
  • Römische Geschichte, 3 Bde., 1854-1856.
  • Römische Forschungen, Berlin 1864-1879.
  • Römische Staatsrecht, 3 Bde., 1871-1888. (zusammen mit Joachim Marquardt), Handbuch der römischen Altertümer, 3 Bd., Leipzig 1887.
  • Gesammelte Schriften. 8 Bde., Berlin 1905-1913.

Ihre Ansprechpartnerin für den Bestand Theodor Mommsen im Universitätsarchiv Leipzig (PA-SG 0306) ist Frau Rebner.

Abbildung oben: Theodor Mommsen, Alte Nationalgalerie Berlin.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Universitätsarchiv Leipzig. Tradition und Moderne. Seit 1409. | Universitätsarchiv Leipzig
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