Johann Gottfried Seume 1763 – 1810

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Johann Gottfried Seume 1763 – 1810

Johann Gottfried Seume  1763 – 1810, Schriftsteller, 1780 Theologiestudium an der Universität Leipzig.

Johann Gottfried Seume

„Als ich in der Abenddämmerung die Türme von Leipzig wieder sahe, das ich nun für mein Tabernakel zu halten gewohnt bin, ward mir doch unter der linken Seite etwas angenehm unruhig.“

Seume war Sohn eines verarmten Fronbauern, der in Knautkleeberg bei Leipzig eine Gastwirtschaft gepachtet hatte, bevor er früh verstarb. Gefördert durch den Grafen Hohenthal wurde ihm der Besuch der Lateinschule ermöglicht, und derselbe Förderer finanzierte ihm ab 1780 auch ein Theologiestudium an der Universität Leipzig. Nach einem knappen Jahr, 1781, brach er aber das Studium ab und entwich heimlich aus der Stadt, weil sich zwischen seinen Auffassungen, die sich durch die Lektüre religionskritischer Schriften der Aufklärung gebildet hatten, und der theologischen Dogmatik seiner Universitätslehrer unüberbrückbare Differenzen gebildet hatten. Auf dem Weg nach Paris, dem Sehnsuchtsziel des jungen Mannes, wurde er jedoch von Werbern des Landgrafen von Hessen-Kassel aufgegriffen, zum Militärdienst gepresst und als Soldat nach Amerika verkauft; nach der Rückkehr nach Deutschland gelang ihm zwar die Flucht aus der hessischen Gefangenschaft, er wurde aber schon 1783 wiederum zum Militärdienst gepresst, diesmal von preußischen Werbern. 1787 wurde er von einem Gönner freigekauft, so dass er nach Leipzig zurückkehren und nunmehr an der Universität ein Studium der Rechtwissenschaft und der Philosophie beginnen konnte. 1792 schloss er dieses Studium mit einer Habilitation ab, machte aber von seiner Lehrbefugnis keinen Gebrauch; auch später hat Seume es vermieden, sich enger an Leipziger wissenschaftliche Institutionen zu binden. So hat er 1802 auf eine mögliche Anstellung bei der Akademie der Wissenschaften zu Leipzig ebenso verzichtet wie 1805 auf eine Lektorenstelle an der Universität.

Von Ludwig Stockinger. Jubiläen 2010.

Prof. Dr. Ludwig Stockinger ist Professor für Neuere deutsche Literatur am Institut für Germanistik der Universität Leipzig.

 

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