Publikation: Fecht-, Reit- und Tanzmeister an der Universität Leipzig in archivalischen Quellen des Universitätsarchivs Leipzig

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Auswertung archivalischer Quellen des Universitätsarchivs Leipzig

Eine neue Untersuchung zu den Fecht-, Reit- und Tanzmeister an der Universität Leipzig begründet den Startband der Reihe „Studien zur Kultur und Geschichte“ des kleinen Bernstädter Via Regia Verlages. Der Leipziger Historiker Mario Todte forscht zur Leipziger Universitätsgeschichte und zum studentischen Leben. Er hat die umfangreiche Aktenlage im Universitätsarchiv Leipzig erstmals ausgewertet. Die Überlieferungslage ist relativ gut.  Eine Gesamtdarstellung des Berufsstandes der Exerzitienmeister hat bis dato der Universität Leipzig gefehlt, diese Arbeit schließt mit der Auswertung der archivalischen Quellen eine Forschungslücke. Untersucht wurden der Bestand „Rektor“, der Bestand „Gerichtsamt“, der Bestand „Rentamt“, zusätzlich wurden die Historischen Vorlesungsverzeichnisse der Universität Leipzig hinzugezogen.

Berühmte Leipziger (Kurzzeit)-Studenten, die den Paukboden kennengelernt haben, sind neben Goethe, die späteren Komponisten Robert Schumann (1810-1856) und Richard Wagner (1813 -1883). Mit seinem Ausspruch „Mir stinkt’s nach Füchsen“ ist der junge Goethe 1767 in die Annalen eingegangen. Grund war eine Kontrahage mit dem Livländer Gustav Bergmann, mit dessen Degenspitze der Arm des späteren Nationalschriftstellers Bekanntschaft machte. Manche Studenten, wie der Mathematiker Abraham Gotthelf Kästner (1719 – 1800), zogen das „heimliche Fechten lernen“ dem väterlicherseits verordneten Tanzunterricht eindeutig vor. Interessant ist der veröffentlichte Fechtboden-Plan aus dem Sommersemester 1913, der zeigt, wie stark frequentiert der Fechtboden-Unterricht war.

Studenten beim Schlägerfechten. Aus "Hiebfechtkunst" von Ludwig Cäsar Roux, 1885.

Universitätsfechtmeister Ludwig Roux

Eine bedeutende Rolle spielt der Universitätsfechtmeister Ludwig Roux (27. Juni 1843, Jena- 20. Mai 1913, Leipzig). Ludwig Caesar Roux stammte aus der Fechtmeister-Dynastie Roux, die Ende des 18. Jahrhunderts vom Jenaer Fechtmeister und Romanist Heinrich Friedrich Roux (1728 – 1791 ) begründet wurde. Am 11. März 1865 berief man dessen Sohn Ludwig Cäsar Roux auf das Amt des Universitätsfechtmeisters an der Universität Leipzig. Ludwig Roux war Mitbegründer und Ehrenmitglied des Vereins Deutscher Universitätsfechtmeister. Roux bewohnte mit Frau und 8 Kindern sein Haus in der Leipziger  Sophienstraße Nr. 18. Herausragend ist sein 1885 erschienenes Lehrbuch „Die Hiebfechtkunst“. Neben dem sportlichen Fechten der freien Studenten wurde innerhalb der Schlagenden Verbindungen an den Universitäten das studentische Mensurfechten praktiziert. Das Mensurfechten war kein Kampf auf Leben und Tod. Die Universitätsfechtmeister Roux bemühten sich um ein geregeltes studentisches Fechten auch anhand von zahlreichen anschaulichen Lehrbüchern. Die  Zahl der Verletzungen war immens, eine bessere Fechtausbildung konnte dabei von Nutzen sein. Ludwig Roux wirkte lange 37-Jahre bis zum 1. Juli 1902 an der Universität als Fechtmeister, sein Sohn Paul trat in seine Fußstapfen. Der Schriftsteller Rudolf G. Binding (1867 – 1938), Sohn des Leipziger Strafrechtlers und Rektors Karl Binding -fürstlich aufgewachsen in der Leipziger Ferdinand-Lassalle-Strasse-, setzte in seiner Novelle “Die beiden Fechtbrüder” (1911) den Leipziger Universitätsfechtmeistern Roux ein Denkmal.

 

Universitätsfechtmeister Paul Roux mit Studenten auf dem Paukboden, 1909. Universitätsarchiv Leipzig.

Universitäts-Reiten

Der Universitätsreitstall wurde 1717 auf dem Theaterplatz errichtet, im Obergeschoß, über den Ställen, befand sich die Wohnung des Universitäts-Stallmeisters. Die älteste Akte des Universitätsarchivs Leipzig, die Universitätsreiten „Bereuther“ dokumentiert, stammt aus dem Jahre 1710. Für Studenten gab es mehrere Möglichkeiten, Reitunterricht zu nehmen. Michael Gebauer erhielt als erster Reit- und Stallmeister der Universität eine Besoldung. Der Reitmeister verunglückte pikanterweise 1723 auf der Reitbahn tödlich. Seine Tochter Henriette Caroline Gebauer wurde übrigens 1727 geadelt. Im Zuge der Industralisierung und durch die Inflation wurde Reiten teuer und überflüssig. Reitinstitute schlossen reihenweise, Akademiker betrieben keinen Reitsport mehr. Immerhin ritten im Wintersemester 1926/25 beim Turnmeister Hermann Altrock, dem Nachfolger Hermann Kuhrs, noch 46 Studenten. Am 1.  Dezember 1926 endet die Aktenüberlieferung im Universitätsarchiv Leipzig, damit schließt sich das Kapitel der Universitätsreitlehrer und des Reitunterrichtes an der Universität Leipzig.

Reithaus in Leipzig, um 1860.

Weitere Informationen des Via Regia Verlages:

Fecht-, Reit- und Tanzmeister an der Universität Leipzig

von Mario Todte

Der Band schlägt ein vergessenes Kapitel der Leipziger Universitätsgeschichte auf, und nicht nur der sächsischen Landesuniversität, denn Fechten, Reiten und Tanzen gehörten in der frühen Neuzeit generall zum universitären Alltag. Diese und andere „Exerzitien“ dienten der „Standesbildung“ der adeligen wie der bürgerlichen Gesellschaft. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts waren diese „Exerzitien“ Teil des universitären Betriebs. Heute lebt diese Tradition nur noch im akademischen Fechten studentischer Verbindungen fort. Die Studie bettet die Biografien der Fecht-, Reit-, Tanz-, Ball- und Zeichenmeister in das soziale Umfeld der Universitätsstadt Leipzig ein und zeichnet auf diese Weise ein aufschlussreiches gesellschaftliches Panorama der sächsischen Landesuniversität.

Via Regia Verlag, Bernstadt a. d. E. 2016, 210 Seiten, 81 Abb., 17×24 cm
ISBN 978-3-944104-12-6, 17,90 Euro


Publikationen
Bilder mit freundlicher Genehmigung von Universitätsarchiv Leipzig. Tradition und Moderne. Seit 1409. | Universitätsarchiv Leipzig und Reithaus in Leipzig, um 1860.

Kommentare

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Peter
Peter

Sehr interessant! Wäre schön, wenn noch eine Publikation dazu erscheinen würde, die sage ich mal, da hier viele Akten zitiert und ausgewertet wurden, allgemeinverständlicher wäre. Etwa eine universitäre Studentengeschichte, die ein großes Publikum ansprechen würde…




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Mirko J.
Mirko J.

Sehr gut! Ist der Autor nicht Mitglied der Plavia?




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Arthur
Arthur

Ja, ist er 😊




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L. Habermaas
L. Habermaas

Ein sehr interessantes Kapitel der Universitätsgeschichte und vor allem Studentengeschichte, von der man leider allzu wenig Kenntnis hat. Wer sich für Fechtkampf interessiert, kennt die große Fechtmeister-Dynastie Roux. Es war mir gar nicht so klar, dass Ludwig Roux fast 40 Jahre an der Universität war. Werde ich mir kaufen! Grüsse aus Jena!




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