Ernst Bloch 1885 – 1977

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Ernst Bloch

Ernst Bloch 1885 – 1977, Philosoph, Begründer des „Prinzip Hoffnung“, 1948 Berufung auf Lehrstuhl für Philosophie, 1957 Zwangsemeritierung, ab 1961 Professor in Tübingen.

Ernst Bloch

Ernst Bloch, einer der bedeutenden Denker des 20. Jahrhunderts, wurde 1948 wurde der Lehrstuhl für Philosophie an der Universität Leipzig angeboten. 1949 übersiedelte er im 64. Lebensjahr nach Leipzig. 1955 wurde der „Staatsphilosoph der DDR“ mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet und war Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin (DAW). Mit dem ungarischen Volksaufstand 1956 wandte sich der Marxist Bloch gegen das SED-Regime: Seine letzte Vorlesung am 17. Dezember 1956  an der Universität Leipzig behandelte denkwürdig die „Probleme der Fortentwicklung des Marxismus nach Marx“.

Ernst Bloch. UAL FS-N03155. Universitätsarchiv Leipzig

 

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Denken ist überschreiten. Ernst Bloch in Leipzig, Ausstellung 2004.

„Ernst Bloch war ein freundlicher und optimistischer Mensch, aber konnte auch stur sein und war durch abweichende Meinungen nicht leicht zu beeindrucken“, so beschrieb der Bloch-Forscher Henning Tegtmeyer, Institut für Philosophie, den ehemaligen Professor für Philosophie an der Universität Leipzig. „Er entwarf zu DDR-Zeiten eine ganz eigene Variante einer kommunistischen Utopie, fast einen alternativen Marxismus und beeinflusste, obwohl er selbst Atheist war, sogar die evangelische Theologie. In die Partei einzutreten hat er sich immer geweigert und vermittelte seinen Studenten humanistische Freiheitsideen.“ Dafür musste Bloch büßen.

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Personalakten Ernst Blochs, Vorlesungsmitschriften und viele andere Dokumente im Universitätsarchiv Leipzig.


 

Bloch wurde 1957 in Leipzig zwangsemeritiert. Nach dem Bau der Berliner Mauer kehrte Bloch 1961 von einer Reise in den Westen und dem damit verbundenen Besuch der Bayreuther Festspiele nicht mehr in die DDR zurück.


Blochs Philosophie der Hoffnung ist ganz aktuell. Denn „Bloch beschäftigte sich mit den großen Fragen, mit Metaphysik, mit Ursache und Sinn des Lebens, mit dem, was Leben wirklich Sinn verleiht – eine Betrachtungsweise die die Mehrzahl der Philosophen im 19. und 20. Jahrhundert aufgegeben haben“, so Tegtmeyer. „Sein Denken fußte auf der Idee, dass die Gesellschaft, noch nicht bei sich angekommen ist, weil sie Mangel fühlt. Aber der Mensch ist Blochs Meinung nach ein Hoffnungswesen – er hofft, er strebt und er soll es auch. Vereinfacht gesagt: Hoffnung leben heißt nicht einfach dazusitzen, sondern die Welt aktiv in die erhoffte Richtung zu verändern.“

 

teller

Wer mehr über die private und philosophische Gedankenwelt Blochs wissen möchte, dem empfiehlt sich der geheime Briefwechsel mit seinem Leipziger Universitäts -Assistenten Jürgen Teller. Er verweigerte die Distanzierung von seinem Lehrer auch nach dessen Universitäts-Rauswurf Bloch. Zum Schutz vor der Stasi wurden alle Briefe verschlüsselt übermittelt. Blochs Sohn, Jan Robert Bloch, hat diese Briefe dekodiert. Lesenswert in:

„Briefe durch die Mauer. Aus dem Briefwechsel Ernst und Karola Blochs mit Jürgen und Johanna Teller“, hrsg. von Jan Robert Bloch, Anne Frommann und Welf Schröter.

„Denken heißt Überschreiten “ In memoriam Ernst Bloch 1885 – 1977. In memoriam Ernst Bloch 1885 – 1977. Bloch, Karola / Reif, Adelbert (Hrsg.) Europäische Verlagsanstalt Köln 1978. Belegexemplar Universitätarchiv Leipzig

Willkommen und Abschied: Ernst Bloch in Leipzig (1949 – 1961), Feige, Hans-Uwe, Bloch-Almanach 11/1991, S. 159 – 189. Hrsg. vom Ernst-Bloch-Archiv der Stadt Ludwigshafen am Rhein.; Ludwigshafen am Rhein 1991

 

Bild mit freundlicher Genehmigung von Universitätsarchiv Leipzig. Tradition und Moderne. Seit 1409. | Universitätsarchiv Leipzig

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