Der Physiologe Martin Gildemeister zur Zeit des Ersten Weltkrieges

Die Studentenschaft der Universität Leipzig während des Ersten Weltkrieges

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Familien- und Kriegsfotos der Familie Gildemeister, Erster Weltkrieg. Universitätsarchiv Leipzig. UAL DF 001633

Während des Ersten Weltkrieges war die Armut in der Studentenschaft groß. Viele Studenten waren auf Unterstützung der Universität angewiesen. Im Jahre 1917 wurde in Zusammenarbeit mit dem Kriegsernährungsamt eine Studentenspeisung eingerichtet. Beim studentischen Mittags- und Abendtisch wurden nahrhafte Mahlzeiten zu relativ geringen Preisen ausgegeben.

 

Die Studentenschaft der Universität Leipzig während des Ersten Weltkrieges

Die Studentenschaft der Universität Leipzig war während des Ersten Weltkrieges umfassenden Veränderungen unterzogen. Viele männliche Studierende meldeten sich bereits 1914 freiwillig für den Einsatz an der Front. Kriegsteilnehmern wurde die Fortführung des Studiums durch Beurlaubungen, Gebührenerlasse und Notprüfungen so einfach wie möglich gemacht. Unterstützung erhielten auch verwundete Kriegsteilnehmer, die an die Universitäten zurückkehrten.

Durch Sonderkurse sollte ihnen die erfolgreiche Fortführung des Studiums gewährleistet werden. Ausländische Studierende aus den feindlichen Staaten, hatten hingegen einen schweren Stand. Wenn sie die Universität nicht verließen, meist um selbst Kriegsdienst zu leisten, wurden sie in der Regel exmatrikuliert. Auch laufende Promotionsverfahren wurden ausgesetzt. Zurück blieben vor allem weibliche Studierende. Ein erfolgreicher Abschluss des Studiums lohnte sich mehr denn je, denn ihre Karrierechancen stiegen nun um ein Vielfaches. Zur Besetzung der Stellen fehlte es schlicht an Männern.

Die Versorgung der Studierenden

Die Armut in der Studentenschaft war sehr groß. Die Studenten waren auf die Unterstützung der Universität angewiesen. Vielen fehlte es an Heizung und Licht in ihren Wohnungen, sodass ein abendlicher Aufenthalt dort so gut wie unmöglich war. Die Universität ermöglichte ihnen zwar den Zugang zu beheizten Arbeitsräumen, doch infolge des Kohlenmangels mussten auch dort die Öffnungszeiten verkürzt werden.

Auch der Mangel an Nahrungsmittel traf die Studenten hart. Im Jahr 1917 wurde in Zusammenarbeit mit dem Kriegsernährungsamt eine Studentenspeisung eingerichtet. Beim studentischen Mittags- und Abendtisch wurden nahrhafte Mahlzeiten zu relativ geringen Preisen ausgegeben.

Erinnerungskultur

Die Universität Leipzig führte gewissenhaft Buch über die gefallenen Studenten. Noch im Krieg legte die Universitätsverwaltung eine spezielle Karteikartensammlung an, die militärbiographische Angaben enthält. Das Universitätsarchiv Leipzig stellt die Digitalisate online zur Verfügung. Für die im Kriege getöteten Hochschulangehörigen wurde 1923 im Augusteum ein Kriegerdenkmal errichtet.

Familien- und Kriegsfotos der Familie Gildemeister

Verschiedene Familien- und Kriegsfotos der Familie Gildemeister aus der Zeit des Ersten Weltkrieges bewahrt das Universitätsarchiv Leipzig im Nachlass auf. Der Physiologe Martin Gildemeister (1876 – 1943) wirkte fast 20 Jahre als Ordinarius für Physiologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig. Während der Zeit des Nationalsozialismus begann auch an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig die Verdrängung jüdischer Ärzte, Zahnärzte und Studenten. Martin Gildemeister setzte sich intensiv für den jüdischen Studenten, späteren Nobelpreisträger und Ehrenpromotionsträger Bernard Katz (1911-2003) ein, der 1934 seine Promotion erfolgreich abschließen konnte.

Ansprechpartnerin für den Nachlass Martin Gildemeister (UAL, PA 1359; UAL, PA-SG 150) ist Frau Rebner. Für Ihre Fragen steht das Universitätsarchiv Leipzig gerne zur Verfügung.