Christian Fürchtegott Gellert 1715 – 1769

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Christian Fürchtegott Gellert, Gemälde von Anton Graff, nach 1769, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Nationalgalerie.
Christian Fürchtegott Gellert 1715 – 1769, Volksdichter, Philosoph, Sprachlehrer und Aufklärer

Gellert, einer der meistgelesenen und einflussreichsten Schriftsteller seiner Zeit, ist heute vor allem als Fabeldichter bekannt. Christian Fürchtegott Gellert war Volksdichter, Philosoph, Sprachlehrer und Aufklärer. Am 01.09.1734 immatrikulierte sich Christian Fürchtegott Gellert an der Universität Leipzig. Ab 1745 hält er stets überfüllte Vorlesungen zu Poesie, Beredsamkeit und Moral.

Christian Fürchtegott Gellert kam als neuntes von dreizehn Kindern am 4. Juli 1715 als Pfarrerssohn in Hainichen bei Freiberg (Sachsen) zur Welt. Die Verhältnisse sind ärmlich,  fünf seiner Geschwister sterben früh. Von 1729 bis 1734 besuchte Gellert die Fürstenschule St. Afra in Meißen. Am 01.09.1734 immatrikulierte sich Christian Fürchtegott Gellert an der Universität Leipzig. Anschließend trat er in die Fussstapfen seines Vaters und studierte an der theologischen Fakultät.  Geldmangel zwang Gellert, sein Studium von 1739 bis 1740 zu unterbrechen und sich als Hauslehrer bei adligen Familien zu verdingen. Von 1741 bis 1744 studierte er dann weiter in Leipzig Literatur und Philosophie. 1744 schloß er das Studium mit einer Dissertation über Theorie und Geschichte der Fabel “De poesi apologorum eorumque scriptoribus” (Über die allegorische Poesie der alten Schriftsteller) ab. Danach war er zunächst als Dozent tätig und hielt Vorlesungen über Poesie, Rhetorik, Moral und Pädagogik an der Universität Leipzig. Seitdem hielt er als Privatdozent Vorlesungen über Poesie, Beredsamkeit und Moral. Im April 1751 wurde er zum Außerordentlichen Professor der Philosophie mit einem Gehalt von 100 Talern ernannt. Nach seiner Berechnung brauchte Gottsched allerdings 680 Taler jährlich für seinen Lebensunterhalt. Einen Zuverdienst erhielt er durch Gelegenheitsgedichte und Privatunterricht. Von 1751 bis zu seinem Tod 1769 war er außerordentlicher Professor für Poesie, Beredsamkeit und Moral.  Seine Berufung erfolgte am 26.04.1751, die Antrittsvorlesung hielt er am 14.06.1751 mit dem Titel “De vi atque utilitate optimarum artium ad morum elegantium vitaeque communis suavitatem”(“Von dem Einflusse der schönen Wissenschaften auf das Herz und die Sitten”, veröffentlicht 1756). Seine jährliche Pension betrug am Ende 487 Taler.

 

„Die Verehrung und Liebe, welche Gellert von allen jungen Leuten genoß, war außerordentlich.” (Goethe)

 

Gellert zählte zu den beliebtesten Professoren der Universität mit einer grossen Hörerschar. Seine Vorlesungen ab 1745 waren stets überfüllt. Moralvorlesungen verstand er als praktische Sittenlehre. Er war Universitätsgelehrter und Dichter zugleich. Gottsched versuchte, die moralisch-erzieherische Absicht in der Aufklärung  mit Unterhaltsamkeit zu verknüpfen. Ziel war es, die Naturkräfte mit Hilfe der Vernunft zu ordnen. Zur Moral bei Gottsched gehörten die Gebote der Höflichkeit, sittliche Wohlanständigkeit sowie Frömmigkeit. Die Forderung, dass die Menschen einander helfen sollen, erscheint als erstes Prinzip des Naturrechts. Gottscheds unterhaltsame“Fabeln und Erzählungen” werden zum ersten Bestseller der deutschen Literatur. Der kultisch verehrte Gellert ist in Leipzig die literarische Autorität, Bewunderer und Verehrer pilgern nach Leipzig. Zu seinen Hörern zählte 1765 der junge Student Johann Wolfgang Goethe, der wohl schon als Kind Gellerts Fabeln las und sogar auswendig lernte.

Später schreibt Goethe in Dichtung und Wahrheit“Die Verehrung und Liebe, welche Gellert von allen jungen Leuten genoß, war außerordentlich. Ich hatte ihn schon besucht und war freundlich von ihm aufgenommen worden. Nicht groß von Gestalt, zierlich aber nicht hager, sanfte, eher traurige Augen, eine sehr schöne Stirn, eine nicht übertriebene Habichtsnase, einen feinen Mund, ein gefälliges Oval des Gesichts; alles machte seine Gegenwart angenehm und wünschenswert. Es kostete einige Mühe, zu ihm zu gelangen. Seine zwei Famuli schienen Priester, die ein Heiligtum bewahren, wozu nicht jedem, noch zu jeder Zeit, der Zutritt erlaubt ist; und eine solche Vorsicht war wohl notwendig: denn er würde seinen ganzen Tag aufgeopfert haben, wenn er alle die Menschen, die sich ihm vertraulich zu nähern gedachten, hätte aufnehmen und befriedigen wollen. “ (Johann Wolfgang Goethe: Sämtliche Werke. I. Abteilung. Bd. 14. Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit. Frankfurt 1986. )

 

Studentenwohnungen im “Schwarzen Brett”

Gellerts Wohnhaus, um 1900. Hotel "Schwarzes Brett" (heute dort Studentenwerk). Universitätsarchiv Leipzig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1756 wurde Sachsen durch Friedrich II. von Preußen besetzt und der Siebenjährige Krieg begann. Gottsched verschlägt es krank in die Nähe von Weissenfels. Im Mai 1758 bezog der sächsische Patriot Gellert im noch preussisch besetzten Leipzig seine Wohnung im sogenannten “Schwarzen Brette” im Innenhof des Großen Kollegs (Großes Fürstenkolleg) neben dem Roten Kolleg (Hinterhaus) in der Ritterstrasse 14. Eigentlich hieß das errichtete Gebäude für Professorenwohnungen „Trinitätshaus“ (bis 1903) oder “Junius´sches Haus”, für Gellert freilich das “Schwarze Brett”.  Zwischen dem Areal der Bayernburse und dem Haus „Zur Melone“ wurde von 1691 bis 1692 für den Juristen Lüder Mencke ein viergeschossiger Neubau  mit Studentenwohnungen errichtet. Das Gebäude hatte einen Durchgang zum Innenhof des Großen Kollegs.

Gellerts Wohnung im Schwarzen Brett (oben). Postkarte mit den Universitätsgebäude, 1909. Universitätsarchiv Leipzig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Durchgang hing eine Anschlagtafel, das „Schwarze Brett“, Namensgeber für das Haus, das die die Universität 1816 kaufte. Heute befindet sich am Wohnhaus Gellerts in Ritterstrasse 14 eine 2015 enthüllte Gedenktafel mit der Inschrift:

gellert_tafel

Hier im Hof des
ehemaligen Großen Kollegs
im Trinitätshaus “Schwarzes Brett” wohnte
Christian Fürchtegott Gellert
(4. Juli 1715 – 13. Dezember 1769)
Schriftsteller der Aufklärung
und Professor
an der Alma Mater Lipsiensis

 

Gellert starb unverheiratet und hochangesehen mit erst 54 Jahren am 13. Dezember 1769 in Leipzig. Seine Ruhestätte fand Gellert auf dem Johannisfriedhof. 1790 wurden seine Gebeine an die Seite Johann Sebastian Bachs in die Johanniskirche umgebettet. Sein Sarkopharg blieb bei der Bombardierung 1943 unversehrt. Die Grablege kam 1949 in die Universitätskirche St. Pauli. 1968 wurde die Paulinerkirche im Zuge der sozialistischen Umgestaltung gesprengt, der Sarkophag wurde auf den Südfriedhof umgebettet. In Gellerts Geburtsstadt Hainichen ist das Gellert-Museum besuchenswert.

 


 

 

 

 

 

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Gemälde von Anton Graff, nach 1769, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Nationalgalerie., Universitätsarchiv Leipzig. Tradition und Moderne. Seit 1409. | Universitätsarchiv Leipzig und Gedenktafel für den grossen Dichter der Aufklärung, die am 26.06.2015 eingeweiht wurde.

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