Der Germanist Georg Witkowski, Mittler zwischen Wissenschaft und Welt

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Abbildung: Der Philologe Eduard Sievers, der Germanist Georg Witkowski und der Inogermanist Wilhelm Streitberg bei Sprachaufnahmen,  Universitätsarchiv Leipzig UAL FS N05002.

Der Literaturprofessor, Literaturkritiker, Mitbegründer der “Gesellschaft der Bibliophilen” und des “Leipziger Bibliophilen-Abends”. Georg Witkowski wurde am 11.09.1863 in Berlin geboren.  Georg Wikowski untersuchte die deutsche Literatur des 18. Jahrhunderts. Aus seiner Feder stammt die “Geschichte des Literarischen Lebens in Leipzig” (1909). Er gehörte zu den Gelehrten, die wegen ihrer jüdischen Abstimmung bereits vor 1933 in ihrer beruflichen Entwicklung behindert wurden. Zwischen 1889 bis 1933 lehrte er  zunächst als Privatdozent, dann als außerordentlicher Professor und erst im letzten Jahr vor dem Ruhestand als Ordinarius an der Universität. Nach der Machtübernahme vertrieben ihn die Nationalsozialisten von der Universität. Er starb am 21.09.1939, drei Wochen nach Beginn des Zweiten Weltkrieges, in Amsterdam.

Georg Witkowski, Porträt (Brustbild, eine Pfeife rauchend, um die 70 Jahre alt), UAL FS N04890

Georg Witkowski  absolvierte von 1883 bis 1886 ein Studium der Klassischen Philologie, Philosophie und Germanistik an den Universitäten Leipzig und München. 1886 folgte die Promotion zum Dr. phil. in Germanistik an der Universität München mit dem Titel der Arbeit: “Diederich von dem Werder. Ein Beitrag zur deutschen Litteraturgeschichte des siebzehnten Jahrhunderts.”, 1889 die Habilitation für Deutsche Sprache und Literatur an der Universität Leipzig über die “Geschichte der anakreontischen Dichtung in Deutschland.”

Georg Witkowski beschäftigte sich mit der deutschen Literatur des 17. und 19. Jahrhunderts, dem Lebenswerk Goethes und theoretischen wie praktischen Fragen der Editionstechnik und Herausgebertätigkeit. Sein Gesamtwerk umfasst weit über 700 Publikationen. Der Literaturwissenschaftler setzte seine Lehrtätigkeit nach der Emeritierung fort. 1933 kam es zum Entzug der Lehrbefugnis nach Paragraph 3 des “Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aufgrund seiner jüdischen Abstammung”. 1933 fordert ihn das Ministerium für Volksbildung auf, seine Lehrtätigkeit ruhenzulassen, da er „das nationale Empfinden der Hörer erheblich verletzt“ habe.

Das am 7. April 1933 erschiene Gesetz diente zur Säuberung der Universitäten und Hochschulen wurden von Juden, Nichtariern und politisch unzuverlässigen Subjekten. An der Universität Leipzig mußten unliebsame Personen vorzeitig in den Ruhestand gehen, man veranlaßte sie unter Druck, ihre Emeritierung selbst einzureichen, man entließ andere und vernichtete rücksichtslos ihre Existenzgrundlage. Zwischen 1933 und 1935 wurden so insgesamt 68 Personen diskriminiert und entlassen. Sie verstarben wegen der extremen psychischen Belastung, andere verließen Leipzig, die meisten wurden aus dem Lehrkörper vertrieben.

Am 30. Oktober 1937 wurde Witkowski für zwei Wochen von der Gestapo verhaftet, angeblich hatte man an ihn adressierte Briefe “staatsfeindlichen Inhalts” abgefangen. Aus dieser Zeit stammen beeindruckende Briefe an eine Töchter. Im Mai 1939 emigrierte er zu Verwandten seiner Frau Petronella Pleyte nach Leiden in die Niederlande.

Georg Witkowsi war mit zahlreichen Dichtern befreundet. Dazu gehören u.a. Theodor Däubler, Kasimir Edschmid, Otto Julius Bierbaum und Hugo von Hoffmannsthal. Schüler Witkowskis waren später berühmte Alumni wie Anton Kippenberg (1874-1950) und der Schriftsteller Erich Kästner (1899-1974). der bei Witkowski promovierte.

Publikationen (Auswahl)

  • Das deutsche Drama in seiner Entwicklung dargestellt (= Aus Natur und Geisteswelt, Bd. 51), Leipzig 1904.
  • Goethe (= Dichter und Darsteller, Bd. 1), Leipzig u.a. 1899.
  • Geschichte des literarischen Lebens in Leipzig (= Schriften der Königlichen Sächsischen Kommission für Geschichte), Leipzig 1909.
  • (Hrsg.) Aus Schillers Werkstatt. Seine dramatischen Pläne und Bruchstücke, Leipzig 1910.
  • Textkritik und Editionstechnik neuerer Schriftwerke. Ein methodologischer Versuch, Leipzig 1924.
  • (Hrsg.) Goethes Faust (= Die Meisterwerke der deutschen Bühne, Tl. 45-52), 2 Bde., Leipzig 1906.

Ansprechpartnerin für den Nachlaß Georg Witkowskis im Universitätsarchiv Leipzig ist Frau Rebner.

 

Bild mit freundlicher Genehmigung von Universitätsarchiv Leipzig. Tradition und Moderne. Seit 1409. | Universitätsarchiv Leipzig
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