Blick auf das Reichsgericht und Villa Tillmanns.

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Prof. Dr. Robert Hermann Tillmanns ließ die zweieinhalbgeschossige Villa 1898 für seine Familie bauen. Platziert an einem herausgehobenen Ort unmittelbar neben dem ehemaligen Reichsgericht, dem jetzigen Bundesverwaltungsgericht, eine zweieinhalbgeschossige Villa in historischer Stilmischung und großbürgerlich repräsentativen Zuschnitt. Sie dient heute der  Universität Leipzig als Gästehaus für auswärtige Wissenschaftler. Auf dem Leipziger Südfriedhof begegnet man in der breiten, mit Schmuckelementen versehenen Wandstelle an der Friedhofsmauer einem ebenso auffälligen Erbbegräbnis. Auf den neun schlichten Grabtafeln stehen das Ehepaar Tillmanns, die Namen drei ihrer Töchter, die eines Schwiegersohnes und drei früh gestorbener Enkelkinder. Wohnhaus und Grabstätte stehen unter Denkmalschutz  und sind bis zur Gegenwart erhalten geblieben.Während der über hundertjährigen Geschichte des Hauses wechselten die Besitzer mehrfach. Die äußere Fassade mit den historischen Elementen aus der Romantik bzw. Renaissance blieb trotz aller Umbauarbeiten bis heute weitgehend erhalten. 1947 übernahm das polnische Konsulat die Villa. Kurz darauf kaufte die Stadt Leipzig das Gebäude und nutzte es als Gästehaus. Seit 1955 ist es im Besitz der Universität.

Maria Martini geb. Tillmanns, am Schreibtisch in der Villa Tillmanns 1918/19. FS N01113-08

 

Robert Hermann Tillmanns wurde als Sohn und fünftes Kind vom Kaufmannspaar Abraham und Amalie Tillmanns am 3. Oktober 1844 in Elberfeld geboren. Er studierte nach seinem Abitur am Elberfelder Gymnasium (1865) in Bonn, Würzburg, Prag, Halle und Leipzig. Seine Promotion 1869 trug den Titel: „Ueber Facialislähmung bei Ohrenkrankheiten“. Während seines Studiums wurde er 1865 Mitglied der Burschenschaft Alemannia Bonn. Nach seinem Studium war er Assistent am Kreiskrankenhaus in Zwickau und an der chirurgischen Poliklinik in Leipzig, wo Richard von Volkmann und Carl Thiersch sein Interesse an der Chirurgie weckten. 1870 trat er in Leipzig als Einjährig-Freiwilligen-Arzt in ein sächsisches Infanterie-Regiment ein und mußte dann bald als Assistenzarzt am Krieg gegen Frankreich teilnehmen. Anschließend arbeitete er gleichzeitig am pathologischen, anatomischen und physiologischen Institut in Leipzig, wo er sich insbesondere mit dem Bau und der Funktion der Gelenke befasste. 1872 heiratete er Clementine Steckner, mit der er später fünf Kinder (vier Töchter und einen Sohn) hatte. 1875 habilitierte er sich, wurde aber erst 1889 zum außerordentlichen Professor ernannt. Auf eine ordentliche Professur musste Tillmanns vergebens warten. 1888 gründete er gemeinsam mit Otto Heubner einen Verein zur Errichtung und Erhaltung eines Kinderkrankenhauses in Leipzig, dessen Grundstein 1889 gelegt und das am 6. Dezember 1891 eingeweiht werden konnte. Tillmanns wurde zum Leiter der Kinderchirurgischen Abteilung. Er gründete zusammen mit dem Pädiater Otto Heubner 1888 einen Verein zur Errichtung und Erhaltung eines Kinderkrankenhauses, das 1891 dank privater Stiftungen und Spenden mit zunächst 132 Betten entstehen konnte und bis 1899 erweitert wurde. Tillmanns hat dort bis 1919 die chirurgische Kinderstation geleitet, eine in Deutschland erste Einrichtung dieser Art, als Pionier auf diesem Gebiet. Erst fünfundzwanzig Jahre nach Vereinsgründung wurde diese von der Stadt und dem sächsischen Staat finanzierte Einrichtung von der Universität übernommen. Von 1874 bis 1879 war Tillmanns Mitherausgeber der wöchentlichen Zeitschrift „Zentralblatt für Chirurgie“. Für sie hat er 200 Rezensionen medizinischer Fachliteratur geschrieben. Bis 1919 arbeite Tillmanns als Kinderchirurg, zuletzt als Oberarzt am Kinderkrankenhaus in Leipzig. Von 1874 bis 1879 war Tillmanns Mitherausgeber des  „Zentralblattes für Chirurgie“ heraus. Er verfasste das dreibändige „Lehrbuch der allgemeinen und speciellen Chirurgie“, dass von 1888 bis 1890 an in insgesamt 12 Auflagen erschien. Tillmanns gilt als einer der Begründer der Kinderchirurgie und erhielt viele Auszeichnungen, u. a. die Ehrendoktorwürde der Universität Sheffield.

 

Literaturtipp! Franca Noack-Wiemers: Robert Hermann Tillmanns (1844–1927) – ein Pionier der Kinderchirurgie in Leipzig. Leipziger Universitätsverlag, 2005, ISBN 3-937209-86-7

 

Bild mit freundlicher Genehmigung von Maria Martini geb. Tillmanns, am Schreibtisch in der Villa Tillmanns 1918/19. FS N01113-08
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