Blick auf das Portal des Augusteums im April 1968

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„Alle Gründe der Geschichte sprechen für eine Erhaltung und Pflege des Gebäudes, das am Karl-Marx-Platz die älteren Jahrhunderte würdig vertritt. Nichts spricht ernstlich für einen Abriß.“

Das Augusteum wurde in den Jahren 1892 bis 1897 von Arwed Roßbach gebaut. Es war das Hauptportal der Universität, benannt in Erinnerung an König Friedrich August (1750 – 1827). Am 23. Mai beschließt die Leipziger Stadtverordnetenversammlung über den weiteren Aufbau des Stadtzentrums und entscheidet sich für den Abriss der nach den Kriegszerstörungen verbliebenen Universitätsgebäude und der Universitätskirche. In der Amtszeit von Rektor Ernst Werner, Professor für Geschichte, wird schließlich mit der Sprengung „Baufreiheit“ für eine „Sozialistische Universität“ geschaffen. Bereits im März 1968 hatte das Ministerium für Hoch-und Fachschulwesen der DDR „Leitgedanken für die weitere Diskussion zur Durchführung der Hochschulreform“ herausgegeben. Der Rektor reagierte und veröffentlichte am 23. Mai seine Konzeption mit dem Titel „Unser Weg zur sozialistischen Grossuniversität – Gedanken zur Verwirklichung der Hochschulreform an der Karl-Marx-Universität Leipzig.“ In der Universitätszeitung, dem Parteiorgan der KMU, wird im Mai 1968 der sozialistische Traum samt neuem Universitäts-Modell propagiert.

Im April 1968 ... Blick auf die Inschrift "Universitas Litterarum Lipsiensis" am Portal des Augusteum (Roßbach-Bau) mit Relief/Fries. Vier Wochen vor der Sprengung der Alten Universitätsgebäude. Universitätsarchiv Leipzig UAL FS Ü00059
Im April 1968 … Blick auf die Inschrift „Universitas Litterarum Lipsiensis“ am Portal des Augusteum (Roßbach-Bau) mit Relief/Fries. Vier Wochen vor der Sprengung der Alten Universitätsgebäude. Universitätsarchiv Leipzig UAL FS Ü00059

 

Selbst auf nichtöffentliche Protestbriefe, wie sie beispielsweise der Kunsthistoriker an der Universität und Direktor des Leipziger Bildermuseums Johannes Jahn (1892-1976) als „DDR-Bürger“ und nicht in seiner „Angestelltenfunktion“, an höhere Behörden geschickt hatte, konnten Strafmaßnahmen folgen. Jahn wurde im Mai 1968 zur Demission gezwungen, ein gegen ihn angestrebtes Disziplinarverfahren hatte sich damit erledigt. Mehr Glück hatte dagegen der Historiker Max Steinmetz (1912-1990), der ebenfalls privat und schriftlich beim Rat der Stadt Leipzig (jedoch beim Referat für Kirchenfragen) seine Einwände gegen die Sprengung erhoben hatte. „Alle Gründe der Geschichte sprechen für eine Erhaltung und Pflege des Gebäudes, das am Karl-Marx-Platz die älteren Jahrhunderte würdig vertritt. Nichts spricht ernstlich für einen Abriß.“ Seine Daten werden, wie die der rund 500 anderen schriftlich Protestierenden, erfasst, weiter passiert den meisten Bürgern jedoch nichts.

 

Universitätsarchiv Leipzig 2017.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Universitätsarchiv Leipzig. Tradition und Moderne. Seit 1409. | Universitätsarchiv Leipzig

Kommentare

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Christa
Christa

Sehr guter Beitrag! Hätte man in jedem Fall erhalten sollen!




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Thomas B. Kellermann
Thomas B. Kellermann

Sehr schön, dass Sie im Detail die Portale zeigen. Der geschichtliche Kontext dazu ist überaus interessant. Wenn man bedenkt, dass die DDR nur 40 Jahre andauerte und was in dieser kurzen Zeit angerichtet wurde… Schade, dass nach der Wende die alte Universität nicht wieder aufgebaut wurde. Thomas K.




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