Am 9. September 1409 erteilt Papst Alexander V. die Genehmigung zur Errichtung der Alma Mater Lipsiensis

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Gedenkmünze für Gründer und Förderer Friedrich den Streitbaren.

Nach Prag (1348), Wien (1365), Heidelberg (1386), Köln (1388 bis 1789; 1919), Erfurt (1392 bis 1816); 1998/99) und Würzburg (1402 bis 1413; 1582) war Leipzig die siebte Universitätsgründung innerhalb der Grenzen des “Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation”. Leipzig war die erste Universitätsstadt im Nordosten des Reiches. Leipzig, gut erreichbar an Handelsstraßen gelegen, mit bildungsfreudigen Bürgern, übernahm auch das Einzugsgebiet der Universität Prag, die durch den Auszug vieler Studenten und Professoren an Bedeutung verlor.

Der Auszug der deutschen Magister und Scholaren aus Prag begann Mitte Mai. Schon Anfang Juli 1409 hatte der Rat der Stadt Leipzig ein Haus erworben, das er den “Pragern” zur Verfügung stellte. In Leipzig begann man lange vor der offiziellen Eröffnung der Universität mit dem Lehrbetrieb. Die Universität Leipzig übernahm von der Prager Universität die Gliederung nach Nationen. In Leipzig gab es vier Nationen, die die Landesherren mit gleichen Rechten ausstatteten. Die Meißnische Nation, die die Landeskinder vereinigte, die Sächsische Nation (u.a. mit Kurkreis Sachsen, Pommern, Mecklenburg, Holstein, Skandinavien, Finnland, Livland), die Bayrische Nation (u.a. mit Franken, Bayern, Süddeutsche, Hessen, Franzosen, Italiener) und die Polnische Nation (u.a. mit Polen, Deutschen aus dem Osten, Böhmen, Schlesien, Mähren, Ungarn, Litauen, Russland).

Bis es zur tatsächlichen Gründung der Leipziger Universität kommt, vergeht erstaunlich wenig Zeit. Schon am 9. September 1409 erteilt Papst Alexander V. die Genehmigung zur Errichtung der Alma Mater Lipsiensis. Markgraf Friedrich überlässt der neuen Hochschule die ersten zwei Gebäude, in denen in der Ritterstraße das Große Kolleg und in der Petersstrasse das Kleine Kolleg untergebracht werden sollten. Das Collegius maius, das Große Kolleg, auch Großes Fürstenkolleg, befand sich vermutlich auf dem Gelände des heutigen Grundstückes Ritterstraße 10, 12, und 14 und Goethestraße 4 bis 6. Das zweite Grundstück befand sich bei der Pleißenburg (in der Nähe des bereits von der Stadt erworbenen Grundstückes), wie die Urkunde für dieses von der Stadt erworbenen Gebäudes bereits vom 4. Juli 1409 belegt. Diese Urkunde ist zugleich der früheste urkundliche Beleg für die Anwesenheit der Auswanderer aus Prag in Leipzig. Das Collegium minus, das Kleine Fürstenkolleg, lag zwischen der Schlossgasse und Petersstraße. Heute befindet sich dort der Neubau “Petersbogen” mit der Juristenfakultät, dem “Juridicum”.

Am 2. Dezember 1409 erfolgte die feierliche Eröffnung der Universität im Refektorium des Thomasklosters, in einem Raum, der noch mehr als 100 Jahre als Aula dienen wird.

 

Friedrich der Streitbare, Gründer und Förderer der Universität

Friedrich IV., der Streitbare (1370 – 1428 ), stammte aus dem Hause Wettin und war seit dem Tod seines Vaters 1381 Markgraf von Meißen. Zugleich war Friedrich der Streitbare Landgraf von Thüringen. 1423 wurde er Herzog, Kurfürst und Pfalzgraf von Sachsen.

 

Friedrich IV. von Meißen, genannt Friedrich der Streitbare.

 

“Bulla conservatorii” von Papst Alexander V.

In Pistoja verfaßt Papst Alexander V. auf Latein die Bulle mit Anweisungen für den Schutz der neuen Universität in Leipzig. Nach der Gründung der Universität setzte der Papst den Bischof des Bistums Merseburg als Kanzler der Universität ein. In dessen Diozöse lag Leipzig. Papst Alexander V. meint es ernst mit der Förderung der Universität Leipzig. Am 19. Dezember 1409 sendet er seine päpstliche Verfügung an den Bischof zu Merseburg und an das Domkapitel zu Naumburg, mit der anweisung, die Einkünfte und Güter der Scholaren und Magister zu schützen. Zugleich erteilte er die Vollmacht, Verstöße gegen seine Anordnungen zu ahnden. Schuldige sollten bestraft werden.

Bulle von Papst Alexander V. Universitätsarchiv Leipzig.

 

Johannes von Münsterberg erster Rektor der Leipziger Universität

Am 2. Dezember 1409 hatten die vorher von den Landesfürsten bestätigten Magister, die späteren Professoren, den Schlesier Johann Otto aus Münsterberg (um 1365 – 1460) zu ihrem ersten Leipziger Rektor gewählt. Er gehörte der Polnischen Nation an. Man hatte ihm das Amt übertragen, weil er in Prag bereits Rektor war. Die Polnische Nation hatte damals allerdings auch die meisten Mitglieder.

“Zu Ehre Gottes des Allmächtigen, der ruhmreichen Jungfrau Maria und des ganzen himmlischen Heeres wie auch zum Besten der heiligen Mutter Kirche” heißt es in der landesherrschaftlichen Gründungsurkunde, “wünschen wir, Friedrich der Ältere und Wilhelm, leibliche Brüder, durch Gottes Gunst und Milde Landgrafen von Thüringen, Markgrafen von Meißen und Pfalzgrafen von Sachsen, zu fruchtbaren Fortkommen der Leipziger Universität… dass künftig an dieser Universität vier Nationen, nämlich Meißner, Sachsen, Bayern und Polen, bestehen sollen…”.

P.S.M.B.

Aus welcher Nation der jeweils nächste Rektor kommen sollte, bestimmte die zur Gründung festgelegte Reihenfolge: Polonus, Saxo, Misnensis und Bavarus. Bei dieser Reihenfolge blieb es nicht, später kam es in Leipzig zu der Formel: M. S. B. P., im Jahre 1438 zu S. M. B. P..

Die Immatrikulationsliste von 1409/1410 enthält insgesamt 369 Personen. Unter ihnen sind 49 Magister, Universitätslehrer, ohne die die Gründung der Universität in Leipzig nicht möglich gewesen wäre. Etwa 100 Studenten kamen aus Prag, waren als “pragenses” eingeschrieben. Sie mussten keine Semestergebühr entrichten. Seit 1409 sind die Einschreibelisten der Geburtsstunde der Alma mater Lipsiensis im Universitätsarchiv Leipzig bis heute lückenlos erhalten. Der Zulauf zur neuen Universität war gross: Leipzig hatte schon zur Eröffnung die 1392 gegründete Universität Erfurt mit der Zahl der immatrikulierten Studenten weit übertroffen.

Universitätsarchiv Leipzig 2017.

 

Bilder mit freundlicher Genehmigung von UAL | Online | Universitätsarchiv Leipzig und Universitätsarchiv Leipzig. Tradition und Moderne. Seit 1409. | Universitätsarchiv Leipzig