60.000 Doktorhüte

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Aus verschiedenen historischen Quellen hat das Universitätsarchiv Leipzig die Leipziger Promotionen der letzten 200 Jahre zusammengetragen. Online verfügbar, erlaubt die Datenbank einen freien Zugang zu den Angaben von mehr als 60.000 Leipziger Doktoren.
60.000 Doktorhüte

Neben den regulären Promotionen haben die Leipziger Fakultäten auch rund 600 Ehrendoktoren ernannt, deren Namen ebenfalls aufgeführt werden. Für das aktuelle Kalenderjahr listet die Datenbank auch die Goldenen Doktorjubiläen (das 50-jährige Jubiläum der Promotion) auf. Mit der päpstlichen Privilegierung der Universitätsgründung vom September 1409 besaßen die vier Leipziger Fakultäten das Recht, ihren Absolventen den jeweiligen Doktortitel zu verleihen. Erst im 19. Jahrhundert trennen sich die Fakultäten von den mittelalterlichen Prüfungsverfahren: der Nachweis einer selbstständigen wissenschaftlichen Promotionsleistung und der Druckzwang für Dissertationen gehörten nun in Leipzig zum akademischen Standard.

Symbolische Promotion durch Verleihung des Doktorhutes, Siegel der Leipziger Juristenfakultät, um 1452 .
Symbolische Promotion durch Verleihung des Doktorhutes, Siegel der Leipziger Juristenfakultät, um 1452 .
1870 und 1939 war die Universität Leipzig eine der führenden deutschen Forschungsuniversitäten

Zugleich wurde die aufstrebende sächsische Landesuniversität zwischen 1870 und 1939 einer der führenden deutschen Forschungsuniversitäten – das Studium mit einem Forschungsaufenthalt und einer Promotion an der Leipziger Universität zu beenden, galt vielen Studenten als guter Beginn einer erfolgversprechenden Karriere. In dieser Zeit entwickelte sich die Universität Leipzig zur wichtigsten Promotionsuniversität für Nachwuchskräfte. Ebenso wie die Statuten- und Matrikelbücher zählen die Promotionsbücher der Universitäten zu den Geburtsurkunden der Hochschulautonomie. Die Doktorbücher dienten zunächst als authentischer Nachweis für die besondere Rechtsstellung der Akademiker in einer ständisch geordneten Gesellschaft. Innerhalb der Universitäten wiederum bildeten die akademischen Grade ein konstituierendes Element der Hochschulverfassung. Erst die über ein kompliziertes System zu durchlaufenden Verhaltens-, Prüfungs- und Eidesanforderungen erzeugten ein akademisches Gemeinschaftswesen. Für den genossenschaftlichen Charakter der Hochschulen erwuchs daraus ein verbindendes Element, das auch die einzelnen Korporation (Fakultäten, Nationen und Kollegien) miteinander verknüpfte und zugleich für eine wissenschaftliche Auslese sorgte. Deutlich wird auch, wie der moderne Staat des 20. Jahrhunderts die akademischen Grade in ein staatliches Titularsystem überführt und ihre elitären Träger zur besonderen politischen Loyalität zu verpflichten sucht. Besondern unter politischen Voraussetzungen hat sich die Fakultätsstruktur der Universität Leipzig im letzten Jahrhundert mehrfach geändert.

Heute werden Promotionsverzeichnisse meist in elektronischer Form geführt, doch ungeachtet dieser zeitgemäßen Buchführung bleiben die wissenschaftlichen Graduierungen ein prägendes Element der scientific community.

Zu den vielen Leipziger Doktoranden zählen etwa:

  • Leopold Ranke, Historiker, promoviert 1817
  • Carl Heine, sächsischer Unternehmer, promoviert 1843
  • Heinrich von Treitschke, Historiker und Politiker, promoviert 1854
  • Friedrich Nietzsche, Philosoph und Philologe, promoviert 1869
  • Franz Mehring, Politiker, promoviert 1882
  • Ludwig Ganghofer, Schriftsteller, promoviert 1880
  • Theobald von Bethmann-Hollweg, Politiker und Reichskanzler, promoviert 1880

 

 

Universitätsarchiv Leipzig 2017.