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15.06.1897  Feierliche Einweihung des neuen Augusteums.
Von 1892 bis 1897 wurde das Gebäude vom Universitätsbaumeister Arwed Rossbach umgebaut. An das Augusteum – dem Hauptportal der Universität – wurden ein Mittel- und ein Westflügel (1896) angebaut: das Johanneum, Albertinum und Paulinum. Die Fassaden der Paulinerkirche und des Augusteums erhielten neue Neorenaissance und Neogotikfassaden. Der Leipziger Zuckerbäcker Wilhelm Felsche ließ an der Einmündung der Grimmaischen Straße sein berühmtes Café français, ab 1914 Café Felsche, neben der Paulinerkirche errichten, es wurde 1943 zerstört.

 

Blick auf den Augustusplatz, die Paulinerkirche, das Augusteum am Eingang zur Grimmaischen Strasse, um 1900.
Blick auf den Augustusplatz, die Paulinerkirche, das Augusteum am Eingang zur Grimmaischen Strasse, um 1900.

Erfahren Sie mehr über das Hauptgebäude der Alten Universität:

Das Augusteum

An der Stelle des alten Zwingergebäudes wurde im Paulinum der Grundstein für das erste Hauptgebäude der sächsischen Landesuniversität gelegt, das, 1836 unter dem Namen Augusteum Entstehung und den Charakter des Augustusplatzes prägte.  Am Stiftungstag der Universität, der 1831 am Sonntag, dem 4. Dezember, gefeiert wurde, versammelte man sich nach uraltem akademischem Brauch in der Sakristei der Nikolaikirche zum Festzug. Doch als sich dieser unter festlichem Glockengeläut um 11:00 Uhr in Bewegung setzte, zeigte er eine ungewohnte Ordnung und hatte die halbe Stadt auf die Beine gebracht. Sein Ziel war diesmal nicht die Paulinerkirche, sondern das südlich davon gelegene Areal des alten, inzwischen weitgehend niedergelegten Paulinums, wo der Grundstein für ein neues Hauptgebäude der Universität gelegt werden sollte. Aus Adolf Hasses anlässlich der feierlichen Übergabe des Augusteums 1836 erschienenen Denkschrift, die auch eine ausführliche Beschreibung des Bauwerks enthält, erfahren wir von einer öffentlichen Anteilnahme, die uns Heutige angesichts der in dieser Hinsicht doch recht bescheiden ausgefallenen Grundsteinlegung im Juli 2005 geradezu neidisch stimmen könnte: Eine Abteilung der Communalgarde leitete den Zug durch ein von Musikkapellen durchsetztes Ehrenspalier der Communalgarde und militärischer Garnisonen. Als Hauptpersonen folgten ihr der Universitätsbaumeister und Stadtbaudirektor Albrecht Geutebrück, der Universitätsrentmeister und die Mauerer und Zimmerleute. Ein Zug Studenten führte die „Stadtverordneten, Kramermeister, Handlungs- und Buchhandlungs-Deputirten, das Stadtgericht und (den) Rath, die königlichen Beamten, die Consuln der fremden Mächte, das … Oberpostamt, … Schöppenstuhl, … Consistorium und Oberhofgericht, die Officiere der königlichen Truppen … mit den Mitgliedern des hiesigen Communalgarden-Ausschusses …, die Rectoren, Directoren und Lehrer der öffentlichen Schulen und Institute; … die Geistlichen aller Confessionen …“.

Erst danach kamen die Vertreter des durch Prinz Johann von Sachsen repräsentierten Königshauses mit Albert von Langenn an der Spitze, der damalige Rektor Karl Klien und Bürgermeister Deutrich, begleitet von den Trägern der Gedächtnistafel, der Denkschriften und Gedenkmünzen. Nun erst folgte die Universität in der Ordnung ihrer von den jeweiligen Dekanen angeführten Fakultäten. Ungewöhnlich wie der zur Grundsteinlegung betriebene Aufwand ist auch die Vorgeschichte des Bauwerks. Anfang Mai 1827 war Friedrich August III. nach fast 59-jähriger Regierungszeit verstorben. Hatte er die von den Landständen anlässlich seines 50-jährigen Regierungsjubiläums vorgeschlagene Errichtung eines öffentlichen Denkmals zu Lebzeiten abgelehnt, so gründete sich nun in Dresden ein Verein, der zu freiwilligen Spenden für ein öffentlich aufzustellendes Denkmal des Königs aufrief. Obwohl man im engeren Kreise davon überzeugt war, dass es sich um ein bildnerisches Werk handeln müsse und mit dem von Daniel Rauch empfohlenen Ernst Rietschel auch schon ein Bildhauer mit entsprechenden Entwürfen beauftragt worden war, legte man die demokratisch gewollte Entscheidung über die Denkmalsidee im Juni 1828 in die Hände der Kreisstände. Nach fast zweijähriger Diskussion kam man „um der Würde des Gegenstandes … zu entsprechen, und die … nicht allgemein gleichen Ansichten über die größere Vorzüglichkeit eines bildlichen Denkmals, oder einer gemeinnützigen Stiftung zu vereinigen“, überein, dass es das Beste sei, „wenn ein doppeltes Denkmal, nämlich eine Statue des höchstseligen Königs Friedrich August aus Erz gegossen und in Dresden aufgestellt, so wie ein für die Landesuniversität zu Leipzig zu erbauendes, großartiges, für öffentlich wissenschaftliche Zwecke, insonderheit zu einem großen Hörsaale für öffentliche Feierlichkeiten, einer namhaften Anzahl von Hörsälen für akademische Lehrer, zur Aufstellung der ganzen Universitäts-Bibliothek und des physikalischen Apparates einzurichtendes, mit dem Namen Augusteum zu belegendes Gebäude, welches die Stelle des abzubrechenden Hintergebäudes des Pauliner Collegiums am Stadtzwinger einnehmen möge, die verehrungsvollen und dankbaren Gesinnungen der sächsischen Nation gegen ihren verewigten König … bezeuge.“ (nach Hasse)

Ein solches Gebäude schien bitter nötig. Nicht nur die ohnehin überalterten und feuchten Gebäude über dem Stadtgraben waren durch die Folgen der Völkerschlacht zum Teil gänzlich unbrauchbar geworden. Die weitgehend aus eigenen Mitteln finanzierten Baumaßnahmen der Universität konnten unter äußerster Geldnot als Sanierungsversuche nur Stückwerk leisten. Auch als nach der Reorganisation der Landesuniversität verstärkt staatliche Finanzmittel zu ersten Neubauten flossen (1829 Senatsgebäude), fehlte es auch weiterhin vor allem an Hörsälen. So sollte ein ursprünglicher Bauplan des Universitätsbaumeisters Geutebrück für die beiden südlich an die Paulinerkirche stoßenden Zwingergebäude unter Beibehaltung der einnahmeträchtigen Mietwohnungen für Professoren und Studenten vor allem zusätzlichen Platz für Hörsäle schaffen. „Allein der von den Ständen beantragte großartige Charakter eines Gebäudes, das kein Wohnhaus, sondern ganz zu Universitätszwecken in wissenschaftlichem Sinne bestimmt und als solches zugleich ein Denkmal für den verewigten König Friedrich August werden sollte, machte eine Erweiterung und Umbildung des ursprünglichen Entwurfs nöthig.“ (ebd.) Die Königliche Bau-Commission bat nun Karl Friedrich Schinkel in Berlin als den seinerzeit berühmtesten Baumeister um einen entsprechenden Entwurf. Der in enger Zusammenarbeit mit Geutebrück entstandene neue Bauplan basierte auf einem völlig veränderten Konzept. Auf dem von bestehenden Gebäuden stark eingeengten Baugrund sollte nun ein „Tempel der Wissenschaft“ entstehen, der die repräsentativen und zentralen wissenschaftlichen Funktionen der Universität unter einem Dach vereinte. Als dessen Kernstück sah der Plan eine große zweigeschossige Aula vor, welche als „Haupttheil des Gebäudes dessen Mitte einnehmen musste, und in der Hauptfacade hervortretend, sowohl eine reichere … und der inneren Decoration des Saales entsprechende Architectur“ (ebd.) aufwies. An die Aula schlossen sich als die symbolischen Hauptorte wissenschaftlichen Lebens Universitätsbibliothek, Hörsäle und wissenschaftliche Sammlungen an. Ein figurengeschmückter Dreiecksgiebel und ein in seinen klassischen Proportionen, seinem anspruchsvollen Bildprogramm und seiner Größe beeindruckendes Pilasterportal am Mittelrisalit vermittelten nach außen die Idee des „Bildungstempels“.

Obwohl durch die Anlage von drei Eingängen auf der schmucklosen Hofseite dem traditionell üblichen Verkehrsstrom im alten Paulinum Rechnung getragen wurde, war die Schaufassade mit ihrem breitgelagerten Dreiecksgiebel und dem Hauptportal auf den Augustusplatz gerichtet. Städtebaulich war dies eine höchst wichtige Entscheidung. Denn das neue Hauptgebäude bildete nicht nur den eigentlichen Anfang für jenes moderne bürgerliche „Bildungsforum“, als der sich in den nächsten Jahren der Augustusplatz entwickeln sollte, sondern formulierte auch den ästhetischen Anspruch an die öffentlichen Nachfolgebauten (1836 – 1838 Post, 1855 – 1858 Bildermuseum, 1864 – 1868 Neues Theater).

Mit der „äußere(n) Ausschmückung des Augusteums, welches die Ständeversammlung als das Charakteristische eines Denkmals ansah“ (Hasse), wurde der bereits für das Dresdener Denkmal in Anspruch genommene, inzwischen an der dortigen Kunstakademie lehrende Bildhauer Ernst Rietschel beauftragt. Für das Hauptportal (1832 – 1835) stand ihm Schinkels Entwurf mit seinem reichen, auf den Ursprung der Wissenschaft bezogenen Bildprogramm zur Verfügung (als „Schinkel-Portal“ nach 1891 dreizügig erweitert und frei aufgestellt). In üppigen Blätter- und Früchteschmuck eingebundene Genien der Kunst und Wissenschaft auf den Pilastern wiesen zusammen mit den geflügelten Genien von Ruhm und Unsterblichkeit auf dem Gebälk und den frei darüber stehenden Musen als Verkörperungen von Vernunft und Erfahrung der lernbegierigen Jugend den Weg in das „Heiligthum der Weisheit“ (C. F. Günther). Der Giebel (1833 – 1835) vereinte die vier Fakultäten, jeweils als ein Paar aus weisem Lehrer und lernendem Jüngling begriffen und unter den Fiat-lux-Gestus des in der Mitte heranschwebenden Genius gestellt, zu einem neuartigen Abbild der Universität, das ganz Rietschels Intention entsprang. Ihm verdankte auch die Aula ihren wichtigsten bildnerischen Schmuck: den in zwölf großen Reliefs (1836 – 1839) unter dem Deckengesims angeordneten, in seiner engen Parallele zu Hegels Geschichtsphilosophie hochinteressanten Zyklus zur Kulturgeschichte der Menschheit. Für die verbliebenen Mittel sollte Rietschel, getreu dem Konzept der Verbundenheit von Königshaus und Universität, Büsten der sächsischen Könige Anton und Friedrich August II. und der sächsischen Prinzen Maximilian und Johann und zwölf Büsten von um die Universität besonders verdienten Gelehrten und Staatsmännern schaffen, die zur Aufstellung auf Konsolen an den Seitenwänden und zwischen den Fenstern der Aula bestimmt waren. Das Büstenkonzept konnte jedoch, da die Mittel denn doch nicht ganz reichten, mit Ausnahme der Wettiner Büsten und der 1845 geschaffenen Büste Gottfried Hermanns erst im Laufe des 19. Jahrhunderts und durch andere Bildhauer realisiert werden.

Im September 1833 wurde Richtfest gefeiert, Ostern 1835 begann der Lehrbetrieb, Bibliothek und Sammlungen zogen ein, und am 3. August 1836 erfolgte die offizielle Einweihung. Eine Lithografie Straßbergers zeigt „Die Studirenden zu Leipzig bei der Einweihung des Augusteums am 3ten August 1836 in der Aula“ vor Rietschels Modell der Sitzstatue zum Dresdener Denkmal für Friedrich August III., das dort für einige Jahre die ursprüngliche Denkmalsidee demonstrierte. Auch die zum Denkmal gehörenden weiblichen Allegorien der vier Regententugenden fanden hier Aufstellung, indem sie die mit den Jahren wechselnden Herrscherstatuen an den Schmalseiten der Aula flankierten. Als ein halbes Jahrhundert später Geutebrücks Augusteum dem repräsentativen größeren Neubau Rossbachs weichen musste, lehnte man sich eng an das geistige Konzept des Vorgängerbaus an und integrierte respektvoll dessen Baukunst. Die Stuckfiguren des Giebels wurden für das etwas größere Format des neuen Giebels in Stein kopiert, das Schinkeltor dreizügig erweitert und frei neben dem Neubau aufgestellt. In der wiederum zweigeschossigen Aula bewahrten die Reliefs zur Kulturgeschichte und die umlaufend aufgestellten Büsten den historischen Kontext. Nur der Aspekt der Verbundenheit von Universität und Krone wurde in der Wandelhalle unter Einbeziehung der vier Regententugenden neu konzipiert.

Im 2. Weltkrieg gingen die von Rietschel geschaffenen Büsten verloren. Einige der Reliefs zur Kulturgeschichte überdauerten in der 1943 ausgebrannten Aula. Wie auch der nahezu unbeschädigt erhaltene Giebel wurden sie 1968 mit dem in weiten Teilen erhalten gebliebenen Universitätskomplex gesprengt. Die heute zum Teil stark restaurierungsbedürftigen Regententugenden wurden zuvor geborgen und harren, wie das partiell bereits in den Neubau der 1970iger Jahre integrierte Schinkel-Tor, ihrer Neuaufstellung.

Von Cornelia Junge.

Jubiläen 2006

 

 

Bild mit freundlicher Genehmigung von Universitätsarchiv Leipzig. Tradition und Moderne. Seit 1409. | Universitätsarchiv Leipzig

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