Über kuriose Anfragen, Beschwerden und Briefe an die Universität…

“Wir bitten Sie, in Zukunft derartige Anfragen nicht an die Universität zu senden, sondern im Duden nachzusehen.”

Unglaublich aber wahr, es gab einmal eine Zeit, in der schrieb man tatsächlich noch Briefe und Eingaben per Hand. Aus dieser Zeit befinden sich lesenswerte und witzige Exemplare im Universitätsarchiv Leipzig.

Acta “Allgemeine Eingaben, Bemerkungen und Äußerungen von Bürgern 1945 bis 1966.”

Schriftstücke werden in einer Registraturordnung aufbewahrt. Das Leben ist jedoch vielfältiger. Im Universitätsarchiv Leipzig gibt es Aktenbände, die ein Sammelsurium kurioser Anfragen enthalten mit dem vielsagenden Titel “Allgemeine Eingaben, Bemerkungen und Äußerungen von Bürgern 1945 bis 1966.”

An das Rektorat der Universität wurden die bestaunenswertesten, ernsthaften Briefe mit der Bitte um Abhilfe geschrieben. Etliche Bürger beschweren sich über die unsachgemäße Behandlung in den Universitätskliniken. Eine Sekretärin beschwert sich nach Ausscheiden aus der Universität über ihren Chef. Untermieter beschweren sich über Hauptmieter und umgekehrt. Manche richten Anfragen an die Universität, das Sekretariat, die Direktion oder die “Kanzlei des Lehrkörpers”. Dem Rektor werden Projekte vorgeschlagen. Eine Dame glaubt, sie wurde von einem Studenten zu  medizinischen Experimenten mißbraucht.

Am 28. August 1952 schrieb ein Bürger aus Delitzsch:

“Aufgrund einer Wette würde es mich interessieren zu erfahren, wie das Wort Fett(t)ropfen geschrieben wird. Im voraus dankend verbleibe ich hochachtungsvoll.!”

Zwei Tage später erfolgte die Antwort der Universität: “Auf Ihre Nachricht vom 28. August 1952 teilen wir Ihnen mit, dass das Wort Fettropfen selbstverständlich nur mit zwei “t” geschrieben werden kann. Wir bitten Sie, in Zukunft derartige Anfragen nicht an die Universität zu senden, sondern im Duden nachzusehen.” Heute wird Fetttropfen mit drei “t” geschrieben.

Herr Müller oder Dr. Müller?

Ein Bewohner des Ortes Rotschau im Vogtland beschwert sich bei der Universität über einen gewissen Dr. Müller, der sich verbeten hätte, nur mit Herr Müller angesprochen zu werden. Der Universitäts-Justitiar antwortet ganz ernsthaft: “Aufgrund Ihrer Anfrage vom 17.11.1952 wird mitgeteilt, dass es unter gebildeteten Menschen üblich ist, den erworbenen Grad bei der Anrede jederzeit zu beachten. Der Doktortitel wird in den Personalausweis mit eingetragen und kann nur bei bestimmten Vergehen wieder aberkannt werden. Hierzu ist ein besonderes Verfahren notwendig. Aus diesen Gründen ist einzusehen, dass man einen Herrn Dr. Müller nicht mit “Herr Müller” anreden darf, ohne sich dem Vorwurf auszusetzen, dass man ihn persönlich absichtlich herabsetzt. Ob darin allerdings eine Beleidigung zu sehen ist, wäre von Fall zu Fall durch ein Gerichtsverfahren festzustellen, da unter Umständen auch Unwissenheit vorliegen kann.”

“Im übrigen wird gegen alles Böse und Schlechte die Wahrheit, das Schweigen und die Zeit siegen”.

Ein Leipziger Einwohner, mit Berufsbezeichnung “Freischaffend für Kriminalistik”, warf in einem deftigen Brief 1965 dem Rektor vor, seine Studenten “nicht mehr im Zaum” zu haben. Er endet philosophisch: “Im übrigen wird gegen alles Böse und Schlechte die Wahrheit, das Schweigen und die Zeit siegen”.

2 comments on “Über kuriose Anfragen, Beschwerden und Briefe an die Universität…

  1. Das ist ja wirklich interessant. Sehr schön auch, „Im übrigen wird gegen alles Böse und Schlechte die Wahrheit, das Schweigen und die Zeit siegen“. In diesem Sinne.

  2. Köstlich! Ich komme tatsächlich aus besagtem Rotschau – kenne dort zwei Herr Müller, allerdings keinen Dr. Müller… Aber es könnte auch Unwissenheit vorliegen 😀

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