Unfall oder Mord? Der Gerichtsmediziner Richard Kockel

Das Institut für Gerichtliche Medizin der Universität Leipzig, um 1930.

Ein Reisekorb wird auf dem Leipziger Hauptbahnhof als Frachtgepäck aufgegeben, aber nicht abgeholt, es stellt sich heraus, dass er die Leiche eines gediegen gekleideten Herrn samt goldener Uhr enthält. Eine Ehefrau verletzt mit dem Gemüsemesser ihren jähzornigen Mann so stark, dass er zu Tode kommt. Ein Jurastudent und ein Doktor der Rechtswissenschaft streiten und beleidigen sich im wahrsten Sinn des Wortes tödlich, bis einer von beiden beim Duell erschossen zu Boden sinkt.

Was geschah tatsächlich, handelt es sich um Unfälle oder um Mord?

Diese Fragen klärt die Gerichtsmedizin, eine Disziplin, die sich erst vor etwa einhundert Jahren als eigenes Fach etabliert hat. In Leipzig begründete Richard Kockel (1865-1934) das gerichtsmedizinische Institut, zunächst unter dem Dach der Pathologie, seit dem Jahr 1900 mit einem eigenen Institutsgebäude in der Johannisallee, unter finanziell und personell bescheidensten Bedingungen, unterstützt von Ehefrau und Tochter. Erst 1903 konnte eine erste Hilfskraft eingestellt werden.

Richard Kockel, Dresdener Lehrersohn, geboren vor 150 Jahren am 5. Januar 1865, hatte in Leipzig Medizin studiert und sich habilitiert. Er wirkte als gerichtlicher Sachverständiger und hielt vielbesuchte Vorlesungen in Kriminalistik sowohl für Mediziner wie für Juristen. Mit großem Elan setzte er sich für die Anerkennung seines Faches ein, das erst seit Ende der 1920er Jahre zu den medizinischen Prüfungsfächern zählte.

Vor allem aber arbeitete Richard Kockel praktisch in seinem Institut und trug mit neuen Untersuchungsmethoden zur Klärung zahlreicher Todesfälle bei. Einer davon war das letzte Duell, das in Leipzig stattfand. Der Jurastudent Richard Oettinger kam dabei ums Leben.

Sein Nachlass befindet sich im Universitätsarchiv Leipzig. Richard Kockels Sohn war der Geologe Carl  Walter Kockel.

 

 

Richard Kockel im Historischen Vorlesungsverzeichnis der Universität Leipzig

 

Themen

Professor an der Universität Leipzig | Medizinhistoriker Karl Sudhoff

Karl Sudhoff | Geschichte der Medizinface_sudhoff_35

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Friedrich Herber: Sezierte Wahrheit. Professor Kockels authentische Fälle. Militzke Verlag Leipzig 2003.

 

 

Universitätsarchiv Leipzig, 2015.

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