Die erste deutsche Tiefsee-Expedition des Leipziger Zoologen Carl Chun

 

Carl Friedrich Chun (01.10.1852 – 11.04.1914) stellte 1897 auf der Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte in Braunschweig seinen grossartigen Plan von der globalen Erforschung der Südsee vor. Vor einhundert Jahren war die Welt unerforscht. Wissenschaftliche Expeditionen waren Abenteuer und eine Reise ins Unbekannte.

Zeichnung Carl Chuns. Universitätsarchiv Leipzig.
Detailgetreue Zeichnung Carl Chuns. Privatarchiv Chun. Universitätsarchiv Leipzig.

 

 

Zu einer solchen Forschungsreise brach im Jahr 1898 der Leipziger Zoologe Carl Chun auf. Er hatte in Leipzig studiert und promoviert, ging danach nach Königsberg und Breslau. 1898 wollte ihn die Leipziger Fakultät wieder zurückholen – und das, obwohl seine Kollegen wussten, dass er in seinem ersten Jahr keine einzige Vorlesung würde halten können – sie seine Lehrveranstaltungen mit übernehmen müssten. Der Grund war die bevorstehende Tiefsee-Expedition.

Karl Chun. Universitätsarchiv Leipzig. FS_N02795.
Carl Chun. Universitätsarchiv Leipzig. FS_N02795.

 

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Vampyroteuthis infernalis

Schließlich konnten Kaiser, Bundesrat und Reichstag für die Finanzierung gewonnen werden. Diese  Forschungsfahrt, bewilligt von Kaiser und Reichstag, hatte ein so großes Renomme, dass von dem erwarteten Ruhm auch etwas auf die Leipziger Fakultät abstrahlen würde. Stolz waren die Leipziger darauf, dass ein Professor aus ihren Reihen die Expedition leiten würde. Ein alter Postdampfer wurde zum Forschungsschiff umgerüstet und bestens ausgestattet, unter dem Namen „Valdivia“ stach er in See und war für ein ganzes Jahr auf den Weltmeeren unterwegs: nach Afrika, durch den Indischen Ozean bis zum Südpolarmeer und den Seychellen.

 

 

Zeichnung Carl Chuns. Universitätsarchiv Leipzig.
Zeichnung Carl Chuns. Universitätsarchiv Leipzig.

 

In die Fachwelt ging Carl Chun als Entdecker des bei der ersten deutschen Tiefsee-Expedition gesichteten Tintenfisches (Vampyroteuthis infernalis) ein.

Eine reich bebilderte Reisebeschreibung gibt uns Kunde von der Expedition: sie schildert  die mitfahrenden Wissenschaftler – Zoologen, Biologen, Fotografen – und die Ausstattung des Schiffes, beschreibt Landgänge und Besuche bei Ureinwohnern Afrikas, die Fänge seltener Tiere aus der Tiefsee und die Entdeckungen völlig neuer Arten.

 

Tafel 75 aus "Der Octopus", Carl Chun, Die Cephalopoden ,1915. Zeichnung, enstanden auf der Valdevia Expedition, 1898-1899.
Tafel 75 aus „Der Octopus“, Carl Chun, Die Cephalopoden ,1915. Zeichnung, enstanden auf der Valdevia Expedition, 1898-1899.

 

In die Fachwelt ging Carl Chun als Entdecker des bei der ersten deutschen Tiefseeexpedition gesichteten Tintenfisches (Vampyroteuthis infernalis) ein. In der Universität Leipzig wirkte Prof. Dr. phil. und Dr. med. h. c Carl Chun 1907 für ein Jahr als Rektor. Im April 1914 starb er. Rückblickend erinnerte im Herbst 1914 der amtierende Rektor Otto Mayer daran, „wie sehr er unserer Universität durch seine wissenschaftlichen Leistungen zur Zierde gereicht hatte“. In dem Buch Aus den Tiefen des Weltmeeres schildert er die Erlebnisse dieser Reise.  Heute bewahrt das Universitätsarchiv im Privatarchiv Chun Originalskizzen von der Expedition sowie Druckvorlagen für die Illustrationen seiner Bücher auf, es handelt sich um exzellente Zeichnungen, zum Teil versehen mit handschriftlichen Anmerkungen und Korrekturen von Chun.

 

Universitätsarchiv Leipzig 2016.

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