Erich Kästner

Promotion | Erich Kästner, 5. Juli 1925. Universitätsarchiv Leipzig. Alle Rechte vorbehalten.
„Obwohl ich selber Verse mache, sind mir viele Lyriker noch unsympathischer als alle Tenöre…“

Sie sind wahrscheinlich nicht so notwendig wie die Bäcker und die Zahnärzte; aber nur, weil Magenknurren und Zahnreißen deutlicher Abhilfe fordern als nichtkörperliche Verstimmungen. Trotzdem dürften Gebrauchspoeten ein bißchen froh sein: sie rangieren unmittelbar nach den Handwerkern. “

Aus: Die literarische Welt 13,14 /1929.

“Sehr bald konnte ich mir für das monatliche Stipendium knapp eine Schachtel Zigaretten kaufen. Ich wurde Werkstudent, das heißt, ich arbeitete in einem Büro, bekam als Lohn am Ende der Woche eine ganze Aktenmappe voll Geld und mußte rennen, wenn ich mir dafür was zu essen kaufen wollte. An der Straßenecke war mein Geld schon weniger wert als eben noch an der Kasse. Es gab Milliarden – ja sogar Billionenscheine…. Das war 1923. Studiert wurde nachts.”

(Aus: Die chinesische Mauer in: Der tägliche Kram, S.65)
Kästner in Leipzig als Student Foto: Archiv Kästner München

Erich Kästner (23.2.1899 – 29.7.1974) wurde 1919 für Geschichte, Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft immatrikuliert. Endlich folgt die Promotion am 5. Juli 1925 zum Dr. phil. bei dem Goethe-Spezialisten und Historiographen der Leipziger Literaturgeschichte Georg Wittkowski, zum Thema „Die Erwiderung auf Friedrichs des Großen Schrift „De la littérature allemande.“ Er arbeitete bereits für verschiedene Redaktionen und konnte seine Mutter vom Redakteursgehalt zu seiner ersten Auslandsreise einladen. Leipziger Professoren wie der angesehene Germanisten Albert Köster , dessen Assistent Kästner wurde, prägten ihn in seinem Literaturverständnis. Kästners Arbeit als Journalist und Theaterkritiker für die „Neue Leipziger Zeitung“ endet 1927, nachdem Leser höchst pikant auf eines seiner frivol-sarkastischen Gedichte reagierten. In Berlin nun begann eine sehr produktive Zeit als Mitarbeiter der „Weltbühne“ und Autor vieler Romane.

Überleben mit Gelegenheitsjobs

Mit Gelegenheitsjobs schlug sich in der Zeit der Inflation der Autor von „Emil und die Detektive“, „Pünktchen und Anton“, „Das fliegende Klassenzimmer“, der „Leipziger Studentengedichte“… durchs Leben. Anfang 1923 erscheinen jedoch die ersten Texte eines gänzlich unbekannten Autors im »Leipziger Tageblatt“ und in der »Neuen Leipziger Zeitung«. Aufmerksame Leser werden sofort hellhörig: Hier ist ein ganz eigener Ton, wie man ihn so noch nie vernommen hat. Er schreibt Gedichte, Erzählungen, Theater- und Buchrezensionen, Aphorismen, politische Glossen und Leitartikel. Gelegenheitsjobs waren: Adressenschreiben beim Leipziger Messeamt und Hilfsbuchhalter bei der Städtischen Baugesellschaft. Nebenbei studierte er, dichtete und versuchte, seine ersten Texte zu veröffentlichen. Und damit schuf er sich den Grundstein für eine sichere Finanzierung des Studiums und seine Karriere als Journalist und Schriftsteller.

 "Dichtungen Leipziger Studenten"
Dichtungen Leipziger Studenten, Leipzig 1921, Wilhelm Schunke, Roßbergsche Buchhandlung.

In der „Vorzugsausgabe“ mit Erst-Veröffentlichungen seinerzeit unbekannter Lyriker finden sich u.a. drei Gedichte von Erich Kästner: „Dämmerung“, „Heimkehr“ und „Deine Hände“. Kästner veröffentlichte 1919 sein erstes Gedicht in einer Schülerzeitung, 1921 folgten Veröffentlichungen in Zeitungen. Die Anthologie „Dichtungen Leipziger Studenten“ ist offenbar die erste Veröffentlichung der Kästner-Gedichte in Buchform.

„Ich bin ein Deutscher aus Dresden in Sachsen.
Mich läßt die Heimat nicht fort.
Ich bin wie ein Baum, der – in Deutschland gewachsen –
wenn’s sein muss, in Deutschland verdorrt.“

Die Mentoren Erich Kästners an der Universität Leipzig

Georg Witkowski
Georg Witkowski ( 11. September 1863 – 21. September 1939 in Amsterdam) wirkte Witkowski als Privatdozent und ab 1897 als Extraordinarius für Deutsche Sprache und Literatur an der Universität Leipzig. 1899 war er Mitbegründer und Vorsitzender der Gesellschaft der Bibliophilen und ab 1909 (Mit-)Herausgeber der Zeitschrift für Bücherfreunde. Auf eine ordentliche Professur wartete er beinahe vergeblich. Erst 1930, ein Jahr vor seiner offiziellen Emeritierung, erhielt er einen eigenen Lehrstuhl, den er bis 1933 als Emeritus weiter betreute.
Albert Johannes Köster (7. November 1862 – 29. Mai 1924 in Leipzig) war ein deutscher Germanist und Theaterwissenschaftler. 1899 erhielt er einen Ruf als Ordinarius für Neuere deutsche Sprache und Literatur an der Universität Leipzig als Nachfolger von Rudolf Hildebrand. Dort war er zusammen mit Eduard Sievers Direktor des Deutschen Seminars. Er erhielt in seiner Leipziger Zeit Rufe auf angesehene Lehrstühle, so als Nachfolger seines Mentors und Freundes Erich Schmidt an die Universität Berlin oder an die Universität Wien, die er jedoch ablehnte.

 

Werke (Auswahl):

Erich Kästner, Pünktchen und Anton, Berlin, Cecilie Dressler Verlag, o.J., um 1960
Erich Kästner, Pünktchen und Anton, Berlin, Cecilie Dressler Verlag, o.J., um 1960
37612078
Erich Kästner. Als ich ein kleiner Junge war. Mit Zeichnungen von Horst Lemke. Dressler 1957.

 

 

 

 

 

 

 

 


Recherchetipps:

Literaturarchiv der Stadt München

Briefe Erich Kästners in Kalliope

Erich-Kästner-Museum, Dresden

Universitätsarchiv Leipzig 2016. Alle Rechte vorbehalten.

UAL | Online

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